Für viele Menschen, die niemanden zum Reden haben, ist dies sicher eine gute Sache.
Totentrauer war lange stumm. Das Internet schenkt den Betroffenen eine neue Sprache und einen Raum für das Gedenken.
Es geht offenbar nicht in erster Linie um eine Verlagerung der Trauer aus dem realen Raum in die „Ortlosigkeit der Datenströme“, wie Macho es nennt. Sondern eher um eine Rückkehr zum Wort – und in den Schoß des Kollektivs. Die Kirchen sind dabei selten die erste Anlaufstelle. Die katholische Kirche hat auf katholisch.de gar keinen interaktiven Bereich; auf evangelisch.de wurde erst 2009 ein kleines Trauerforum installiert. In den Jahren davor waren es vor allem Bestattungsunternehmen, die Pionierarbeit leisteten und Gesprächsforen ins Netz stellten. Die Kundschaft nahm das Angebot dankbar an.
Und so sind ausgerechnet beim intimen Thema Trauer die Grenzen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit durchlässig geworden. Niemanden scheint das zu stören, im Gegenteil. Das ausführliche Beschreiben des eigenen Schmerzes wird von den Betroffenen als wohltuend empfunden. Nicht, weil man nach Aufmerksamkeit heischt, sondern weil man ein therapeutisches Ventil sucht. Weil man Zeugnis ablegen und manchmal auch Schuld zuweisen will. Das Netz bietet Raum für all diese narrativen Aneignungen des Schicksalsschlags. Es funktioniert sogar als imaginäres Gegenüber: Viele Angehörige schreiben Briefe oder Nachrichten an die Verstorbenen, oft mit direkter Anrede.
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