Bankenrettung

Hier dreht sich alles um das politische Weltgeschehen.

AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 402

Re: Bankenrettung

Ungelesener Beitragvon Joe12 » 26. Apr 2017, 21:34

Schreiberling hat geschrieben:
Joe12 hat geschrieben:Nun, ein Reset wäre aber vilt gar nicht so blöd, so kann man fehler ausräumen, die wir sonst Jahre lang durchschleifen würden (was wir ja schon tun, wenn man es genau nimmt, das Bildungssys hier ist dafür das beste bsp) ohne sie zu beheben, mit der Folge das sie folgenlos ausgenutzt würden, siehe Finanzsys.


Das von Chefstratege an die Wand gemalte Szenario zeigt jedenfalls schön, welche potentielle Gefahr das System des Globalismus für die Menschheit darstellt. Einen unkontrollierbaren Reset sollte es aber nicht geben, sondern einen gezielten und maßvollen Rückbau.




Wo steht was von unkontrolliert? Gezielt und maßvoll ist ja schön und gut, kommt aber sehr langwierig rüber, also sehr sehr langwierig, also gefühlt 100 und mehr Jahre langwierig (bei den aktuellen politischen schlaftabletten, ähhhm akteuren meine ich natürlich, ehr 1000 jahre wenn sich da nichts ändert) und zudem unvollständig was das entfernen von fehlern schon an der Wurzel anbelangt, wenn du verstehst was ich meine.
Solange es möglich ist sich zu bereichern oder sich in sonst einer Form besser zu machen als andere und solang der Mensch das Konkurrenzverhalten innerhalb seiner Art nicht ablegt, solange wird es Gier geben und solange es Gier gibt, solange wird es die heutigen krankhaften Auswüchse in Wirtschaft und Politik, sowie Krieg und Leid geben.

Wenn das Leben ein Geschenk ist, wüsste ich gern wo man es umtauschen kann.

Captain Obvious

Das Leben wäre doch langweilig, wenn alles direkt funktionieren würde, nicht wahr?

Nein wäre es nicht, mich würde es freuen!

Für Inkompetenz haben wir Zeit!
Benutzeravatar
Joe12
Technischer Support
Technischer Support
 
Beiträge: 7747
Registriert: 09.2014
Danke gegeben: 523
Danke bekommen: 612x in 564 Posts
Highscores: 2
Geschlecht: nicht angegeben
Wie hast du uns gefunden?: Andere
Aktuelle Stimmung: ice cream

Re: Bankenrettung

Ungelesener Beitragvon Schreiberling » 26. Apr 2017, 22:40

Die Privatwirtschaft kann keinen kompletten Systemkollaps verhindern. Wie sollte sie das tun, mit welchen finanztechnischen Mitteln?


Schulden des einen sind ja letztlich immer Forderungen eines anderen und können auch übertragen, verpfändet usw. werden, das kann natürlich auch von Privaten organisiert werden.

Herstatt war 1974 in einer Zeit, als Bretton-Woods gerade Geschichte war, die Welt aus Ost und West bestand und in jeder Bank tonnenweise Papier lag. Und die globale Vernetzung eine völlig andere war. Da gab es so spannende Antiquitäten wie Fernschreiber. Die Welt hat sich sehr viel weitergedreht in den letzten 43 Jahren. Und keiner wird die gute alte Zeit zurückholen. Kein großes Unternehmen dieser Welt hat ein Interesse daran, nach 1974 zurückversetzt zu werden.


Der zwischenzeitliche technische Fortschritt erleichtert die Kommunikation aber sonst? Wenn es gelingt, auf der Grundlage von Privatautautonomie und Vetragsfreiheit ganze Wirtschaftsimperien aufzubauen, dann muß sich ja wohl auf der gleichen Grundlage auch ein Bankrott händeln lassen an dessen Folgen niemand ein Interesse hat.

Was gibt dir Anlass anzunehmen, dass eine Lebensmittelgrundversorgung ohne Geld gesichert werden kann? Was ist daran weniger Spekulation? Selbst wenn der Supermarkt gegen sowas wie Notgeld verkauft - keine landesweit organisierte Kette würde das durchstehen. Weil man so schnell kein neues Zahlungsmittel etabliert und anerkannt bekommt und auch diese Firmen von ausländischen Lieferungen und Umlaufkrediten von Banken abhängig sind. Dazu braucht es keine Fantasie.


Es spricht meines Erachtens wenig dagegen, die bestehenden elektronischen Systeme weiterzunutzen und die auf die neuen Verhältnisse umzustellen. Ansonsten muß eben für einige Zeit auf Kredit und Vertrauen weitergeliefert werden, was bei langjähringen Geschäftsbeziehungen durchaus funktionieren könnte. Letztlich besteht aber auch die größte Firma aus Menschen und daß jeder alles stehen und liegen läßt, sobald das Finanzsystem zusammenbricht, glaube ich dann auch nicht und es gibt ja immer noch die Möglichkeit, in einem solchen Notstandsfall geeignete Arbeitskräfte zwangsweise zur Arbeit zu verpflichten.

Ob man Globalisierung mag oder nicht ist völlig egal. Sie ist da, und wir werden nicht die Macht haben sie wieder abzuschaffen. So wenig, wie man gezielt Computer oder Handys wieder abschaffen kann. Es gibt sie in jedem Land der Welt, abgesehen von absolut totalitären Staaten wie Nordkorea vielleicht. Ein Alleingang wäre völlig sinnlos und eine Einigung wird es nie geben. Es hat keinen Sinn gegen die Zeit zu arbeiten. Man kann nur mit ihr gehen und versuchen, sie in seinem eigenen Sinne zu beeinflussen. Aber auch das wird nihct mit alten Methoden funktionieren.


Die Globalisierung ist reversibel, zu Ende des 19. Jahrhunderts war der Welthandel schon mal stark ausgeprägt und wurde dann wieder deutlich zurückgefahren. Als Beispiel sei der Umstand genannt, daß massenhaft aus Amerika und Rußland eingeführtes Getreide (und das ist ja nun wirklich ein Massenprodukt) die Bauern im Deutschen Reich bedrohte, weshalb das Deutsche Reich zur Schutzzollpolitik überging, die ja noch heute die Agrarwirtschaft prägt.
Zuletzt geändert von Schreiberling am 26. Apr 2017, 22:45, insgesamt 1-mal geändert.
Bild

Avatarbild: Gaby Stein ("steinchen"), Pixabay, frei verwendbar.
Benutzeravatar
Schreiberling
König
König
 
Beiträge: 1289
Registriert: 03.2015
Danke gegeben: 61
Danke bekommen: 121x in 107 Posts
Geschlecht: männlich
Wie hast du uns gefunden?: Suchmaschine

Re: Bankenrettung

Ungelesener Beitragvon Schreiberling » 26. Apr 2017, 22:43

Joe12 hat geschrieben:
Schreiberling hat geschrieben:
Joe12 hat geschrieben:Nun, ein Reset wäre aber vilt gar nicht so blöd, so kann man fehler ausräumen, die wir sonst Jahre lang durchschleifen würden (was wir ja schon tun, wenn man es genau nimmt, das Bildungssys hier ist dafür das beste bsp) ohne sie zu beheben, mit der Folge das sie folgenlos ausgenutzt würden, siehe Finanzsys.


Das von Chefstratege an die Wand gemalte Szenario zeigt jedenfalls schön, welche potentielle Gefahr das System des Globalismus für die Menschheit darstellt. Einen unkontrollierbaren Reset sollte es aber nicht geben, sondern einen gezielten und maßvollen Rückbau.




Wo steht was von unkontrolliert? Gezielt und maßvoll ist ja schön und gut, kommt aber sehr langwierig rüber, also sehr sehr langwierig, also gefühlt 100 und mehr Jahre langwierig (bei den aktuellen politischen schlaftabletten, ähhhm akteuren meine ich natürlich, ehr 1000 jahre wenn sich da nichts ändert) und zudem unvollständig was das entfernen von fehlern schon an der Wurzel anbelangt, wenn du verstehst was ich meine.


Ich dachte eher so an 5-10 Jahre, um die Weichen in wesentlichen Fragen neu zu stellen.
Bild

Avatarbild: Gaby Stein ("steinchen"), Pixabay, frei verwendbar.
Benutzeravatar
Schreiberling
König
König
 
Beiträge: 1289
Registriert: 03.2015
Danke gegeben: 61
Danke bekommen: 121x in 107 Posts
Geschlecht: männlich
Wie hast du uns gefunden?: Suchmaschine

Re: Bankenrettung

Ungelesener Beitragvon Joe12 » 27. Apr 2017, 00:55

Kannst du vergessen. Wie ich schon schrieb 11 Jahre allein für den Mindestlohn und den auch nur sehr sehr wiederwillig und wahrlich nur das mindeste vom mindesten, Gesetzeslücken inkl.

Bei sowas dann 10 - 15 Jahre, wohl kaum. Da Bomben uns Kim, Erdogan, Trump und wie sie alle heißen in ihren Kriegen ehr in die Steinzeit zurück, als das so etwas in so einem kurzen Zeitraum passieren würde. (Nicht weil sie uns angreifen würden, ehr wegen deren Atomwaffen und derer eventuell eingreifender Nationen.)
Solange es möglich ist sich zu bereichern oder sich in sonst einer Form besser zu machen als andere und solang der Mensch das Konkurrenzverhalten innerhalb seiner Art nicht ablegt, solange wird es Gier geben und solange es Gier gibt, solange wird es die heutigen krankhaften Auswüchse in Wirtschaft und Politik, sowie Krieg und Leid geben.

Wenn das Leben ein Geschenk ist, wüsste ich gern wo man es umtauschen kann.

Captain Obvious

Das Leben wäre doch langweilig, wenn alles direkt funktionieren würde, nicht wahr?

Nein wäre es nicht, mich würde es freuen!

Für Inkompetenz haben wir Zeit!
Benutzeravatar
Joe12
Technischer Support
Technischer Support
 
Beiträge: 7747
Registriert: 09.2014
Danke gegeben: 523
Danke bekommen: 612x in 564 Posts
Highscores: 2
Geschlecht: nicht angegeben
Wie hast du uns gefunden?: Andere
Aktuelle Stimmung: ice cream

Re: Bankenrettung

Ungelesener Beitragvon Chefstratege » 27. Apr 2017, 20:42

Schreiberling hat geschrieben:
Die Privatwirtschaft kann keinen kompletten Systemkollaps verhindern. Wie sollte sie das tun, mit welchen finanztechnischen Mitteln?


Schulden des einen sind ja letztlich immer Forderungen eines anderen und können auch übertragen, verpfändet usw. werden, das kann natürlich auch von Privaten organisiert werden.


Das ist doch illusorisch. Beispiel aus der Praxis: Wir hatten im Betrieb vor 2 Wochen einen Arbeitsunfall. Jemand hat Stahlträger schlecht befestigt, worauf hin die vom Kran gerutscht sind. Arbeitsschutz ist in jedem Großkonzern die heiligste aller heiligen Kühe. Kaum irgendwas ist höher auf der Prioritätenliste, bei kaum etwas anderem wird ohne Nachfragen nach Sinn und Verstand so viel Geld ausgegeben. Trotzdem hat es:

- 2 Wochen gedauert, eh der Unfall ausgewertet war,
- wird es weitere 2 Wochen dauern, bis neues, passendes Hebezeug beschafft ist,
- wird es weitere 4 Wochen dauern, bis alle Vorschriften und Regelungen an den aktuellen Erkenntnisstand angepasst sind.

Zur Verdeutlichung: Das ist etwas, darin sind vielleicht 50 Leute verwickelt. Das ist gar nichts, die passen in einen Konferenzraum. Das Unternehmen in dem ich arbeite hat weltweit ganz locker 300.000 Arbeitnehmer in weit mehr als 100 Staaten (davon übrigens, damit nicht gleich das Argument der Globalisierung kommt, auch weit über 100.000 in Deutschland). Außerdem tausende von Zulieferen in aller Welt und hunderte Subunternehmer. Was glaubst du, wie lange es dauert, einen Geschäftsablauf ohne Geld oder auch nur Umlaufmittel für so ein Unternehmen überhaupt theoretisch zu erarbeiten? Von in die Praxis umsetzen redet kein Mensch. Wenn auch nur ein paar wenige der tausend Zulieferer nicht liefern, weil sie selbst keine Mittel haben oder der Auftraggeber nichts anbieten kann, dann steht die Bude still, innerhalb von wenigen Tagen.

Schreiberling hat geschrieben:
Herstatt war 1974 in einer Zeit, als Bretton-Woods gerade Geschichte war, die Welt aus Ost und West bestand und in jeder Bank tonnenweise Papier lag. Und die globale Vernetzung eine völlig andere war. Da gab es so spannende Antiquitäten wie Fernschreiber. Die Welt hat sich sehr viel weitergedreht in den letzten 43 Jahren. Und keiner wird die gute alte Zeit zurückholen. Kein großes Unternehmen dieser Welt hat ein Interesse daran, nach 1974 zurückversetzt zu werden.


Der zwischenzeitliche technische Fortschritt erleichtert die Kommunikation aber sonst? Wenn es gelingt, auf der Grundlage von Privatautautonomie und Vetragsfreiheit ganze Wirtschaftsimperien aufzubauen, dann muß sich ja wohl auf der gleichen Grundlage auch ein Bankrott händeln lassen an dessen Folgen niemand ein Interesse hat.


Nein. Weil die Wirtschaftsimperien über viele Jahrzehnte, teilweise Jahrhunderte gewachsene Strukturen sind. Ein grundlegender Bankrott ist darin nicht vorgesehen. Und schon gar nicht in einer realistischen Zeit von wenigen Tagen oder Wochen.

Schreiberling hat geschrieben:
Was gibt dir Anlass anzunehmen, dass eine Lebensmittelgrundversorgung ohne Geld gesichert werden kann? Was ist daran weniger Spekulation? Selbst wenn der Supermarkt gegen sowas wie Notgeld verkauft - keine landesweit organisierte Kette würde das durchstehen. Weil man so schnell kein neues Zahlungsmittel etabliert und anerkannt bekommt und auch diese Firmen von ausländischen Lieferungen und Umlaufkrediten von Banken abhängig sind. Dazu braucht es keine Fantasie.


Es spricht meines Erachtens wenig dagegen, die bestehenden elektronischen Systeme weiterzunutzen und die auf die neuen Verhältnisse umzustellen. Ansonsten muß eben für einige Zeit auf Kredit und Vertrauen weitergeliefert werden, was bei langjähringen Geschäftsbeziehungen durchaus funktionieren könnte. Letztlich besteht aber auch die größte Firma aus Menschen und daß jeder alles stehen und liegen läßt, sobald das Finanzsystem zusammenbricht, glaube ich dann auch nicht und es gibt ja immer noch die Möglichkeit, in einem solchen Notstandsfall geeignete Arbeitskräfte zwangsweise zur Arbeit zu verpflichten.


Langjährige Geschäftsbeziehungen? Du arbeitest wenig in der freien Wirtschaft, oder? Jedes Unternehmen ab einer gewissen Mitarbeiterzahl kauft da, wo es am günstigsen ist. Ob das in Hawaii oder vor der Haustür ist spielt keinerlei Rolle.
Das die Gesellschaft einfach träge ihren geordneten Weg weitergeht, sobald du an der Tankstelle kein Benzin, für den Zug keine Fahrkarte und im Supermarkt keine Lebensmittel mehr bezahlen kannst halte ich für hochgradig....vorsichtig ausgedrückt optimistisch.
Elektronische Systeme im Bankensektor umzustellen ist eine Lebensaufgabe und unglaublich aufwändig. Das im Chaos zu machen ist völlig aussichtslos. Für so eine kleine Vorstellung: http://www.manager-magazin.de/unternehm ... 43632.html

Schreiberling hat geschrieben:
Ob man Globalisierung mag oder nicht ist völlig egal. Sie ist da, und wir werden nicht die Macht haben sie wieder abzuschaffen. So wenig, wie man gezielt Computer oder Handys wieder abschaffen kann. Es gibt sie in jedem Land der Welt, abgesehen von absolut totalitären Staaten wie Nordkorea vielleicht. Ein Alleingang wäre völlig sinnlos und eine Einigung wird es nie geben. Es hat keinen Sinn gegen die Zeit zu arbeiten. Man kann nur mit ihr gehen und versuchen, sie in seinem eigenen Sinne zu beeinflussen. Aber auch das wird nihct mit alten Methoden funktionieren.


Die Globalisierung ist reversibel, zu Ende des 19. Jahrhunderts war der Welthandel schon mal stark ausgeprägt und wurde dann wieder deutlich zurückgefahren. Als Beispiel sei der Umstand genannt, daß massenhaft aus Amerika und Rußland eingeführtes Getreide (und das ist ja nun wirklich ein Massenprodukt) die Bauern im Deutschen Reich bedrohte, weshalb das Deutsche Reich zur Schutzzollpolitik überging, die ja noch heute die Agrarwirtschaft prägt.


Ende des 19. Jh. wurde Weizen mit Dampfmaschinen und Kohlekesseln über die Meere geschippert. Weder die wirtschaftliche noch die politische Situation sind (zum Glück) auf heute übertragbar. Und mit Handel und Zöllen alleine ist das Thema Globalisierung wohl auch kaum erschlagen.
Experience is directly proportional to the amount of equipment ruined.
Wer den Himmel auf Erden sucht, hat im Erdkundeunterricht geschlafen. (Stanislaw Jerzy Lec)
Und wenn der ganze Schnee verbrennt, die Asche bleibt uns doch.
У нас девять месяцев в году холодно
и три месяца замораживания холода.
Из Сибири
Benutzeravatar
Chefstratege
||
 
Beiträge: 11664
Registriert: 08.2014
Danke gegeben: 305
Danke bekommen: 1338x in 1101 Posts
Highscores: 6
Geschlecht: nicht angegeben
Wie hast du uns gefunden?: Andere

Re: Bankenrettung

Ungelesener Beitragvon Schreiberling » 28. Apr 2017, 15:34

Kannst du vergessen. Wie ich schon schrieb 11 Jahre allein für den Mindestlohn und den auch nur sehr sehr wiederwillig und wahrlich nur das mindeste vom mindesten, Gesetzeslücken inkl.

Bei sowas dann 10 - 15 Jahre, wohl kaum. Da Bomben uns Kim, Erdogan, Trump und wie sie alle heißen in ihren Kriegen ehr in die Steinzeit zurück, als das so etwas in so einem kurzen Zeitraum passieren würde. (Nicht weil sie uns angreifen würden, ehr wegen deren Atomwaffen und derer eventuell eingreifender Nationen.)


Was für ein Defätismus... Sobald ich Diktator von dem Laden hier bin, wird es gemacht. [lach]



Das ist doch illusorisch. [...]


Kann Deine Gedankengänge kaum nachvollziehen. Wenn eine systemrelevante Bank am "Abkratzen" ist, dann würden sich da nicht jeder Hinz und Kunz zu treffen haben, sondern da würden die maßgeblichsten Herrschaften der globalen Hochfinanz miteinander reden, wie man das abwenden kann. Der Staat ist ja nun wirklich kein Musterbeispiel an Effizienz und Effektivität, da kann ja schon mal zwanzig Jahre an der Neugestaltung eines Parkhauses geplant werden und Maßnahmen müssen verfassungs-/gesetzeskonform sein.

Von in die Praxis umsetzen redet kein Mensch. Wenn auch nur ein paar wenige der tausend Zulieferer nicht liefern, weil sie selbst keine Mittel haben oder der Auftraggeber nichts anbieten kann, dann steht die Bude still, innerhalb von wenigen Tagen.


Jetzt sind wir wohl bei hochkemplexen Produkten. Nein, das wird dann auch sehr wahrscheinlich für eine Weile nicht laufen, aber das habe ich auch nicht behauptet. Ich habe mich aber auch überhaupt nicht für einen totalen Systemkollaps ausgesprochen, sondern nur Dein Szenario vom totalen Zusammenbruch etwas relativieren wollen. Daß das dann eine harte Zeit wird, dürfte wohl niemand bestreiten. Wobei sich fragt, unter welchen Bedingungen es überhaupt zum totalen Zusammenbruch des Finanzsystems kommen würde. Aber diese Frage überlasse ich lieber Experten, anstatt mit Halbwissen und Vermutungen herumzuspekulieren.

Nein. Weil die Wirtschaftsimperien über viele Jahrzehnte, teilweise Jahrhunderte gewachsene Strukturen sind. Ein grundlegender Bankrott ist darin nicht vorgesehen. Und schon gar nicht in einer realistischen Zeit von wenigen Tagen oder Wochen.


Ich sagte doch, daß die Wirtschaft ein Interesse daran hat, den Systemkollaps zu vermeiden. Daß man natürlich lieber erst mal den Staat bzw. die Staatengemeinschaft in die Bresche springen läßt, liegt auf der Hand.

Langjährige Geschäftsbeziehungen? Du arbeitest wenig in der freien Wirtschaft, oder? Jedes Unternehmen ab einer gewissen Mitarbeiterzahl kauft da, wo es am günstigsen ist.


Das ist in dieser Pauschalität vollkommener Unsinn, gerade Großunternehmen sind auf zuverlässige Lieferanten und Abnehmer angewiesen und schließen daher in vielen Fällen längerfristige Verträge.

http://www.faktenkontor.de/pressemeldun ... vertraege/

Das die Gesellschaft einfach träge ihren geordneten Weg weitergeht, sobald du an der Tankstelle kein Benzin, für den Zug keine Fahrkarte und im Supermarkt keine Lebensmittel mehr bezahlen kannst halte ich für hochgradig....vorsichtig ausgedrückt optimistisch.
Elektronische Systeme im Bankensektor umzustellen ist eine Lebensaufgabe und unglaublich aufwändig.


Das ganze ist mir zu unüberschaubar, um mich da ernsthaft an Prognosen zu wagen, in normalen Kategorien kann man da jedenfalls nicht mehr weiterdenken.

Ende des 19. Jh. wurde Weizen mit Dampfmaschinen und Kohlekesseln über die Meere geschippert. Weder die wirtschaftliche noch die politische Situation sind (zum Glück) auf heute übertragbar. Und mit Handel und Zöllen alleine ist das Thema Globalisierung wohl auch kaum erschlagen.


Damals war der Handel aber auch schon außerordentlich globalisiert, ein ähnliches Niveau wurde erst wieder in den 90er Jahren erreicht. Im Grunde ist es doch wurscht, ob man Weizen auf Dampfern verschifft oder Konsumgüter in Containerschiffen. Damals war der Transport offenbar auch schon so billig, daß er ganze Wirtschaftszweige in Gefahr bringen konnte. Nehmen wir mal an, billiger russischer und amerikanischer Weizen hätten dazu geführt, daß die deutsche Agrarwirtschaft zusammengebrochen wäre, dann hätte das zu massiver Arbeitslosigkeit einerseits und zu starker Abhängigkeit von Getreideimporten andererseits geführt, die ostelbischen Junker wären verarmt usw. Rußland und Amerika hätten Deutschland damit faktisch ein Stück weit seine Politik diktieren können. Der erste Weltkrieg hätte nicht stattfinden können oder hätte anders verlaufen müssen, z.B. ein deutsch-russisches Bündnis gegen ein westeuropäisch-amerikanisches.
Bild

Avatarbild: Gaby Stein ("steinchen"), Pixabay, frei verwendbar.
Benutzeravatar
Schreiberling
König
König
 
Beiträge: 1289
Registriert: 03.2015
Danke gegeben: 61
Danke bekommen: 121x in 107 Posts
Geschlecht: männlich
Wie hast du uns gefunden?: Suchmaschine

Re: Bankenrettung

Ungelesener Beitragvon Chefstratege » 29. Apr 2017, 00:33

Das wirkliche Problem in Form eines Finanzsystemkollapses tritt doch wahrscheinlich nicht bei einer Bank auf. Das Problem taucht dann auf, wenn mehrere derartige Geldhäuser in Schieflage geraten - was aufgrund der ähnlichen Strukturen ja auch ein sinnvolles Szenario ist. Oder ganze Staaten.
Zudem läuft das heute auch nicht mehr wie 1930 in New York bei Lucky Luciano und Konsorten. Man kann sich nicht mehr in einem rauchigen Hinterzimmer treffen und über das weitere Schicksal des Finanzsystems entscheiden. Weil der Markt in der Zwischenzeit längst reagiert hat und nach seinen eigenen Gesetzen arbeitet. Das war schon 1929 so - Black Tuesday ist fast 90 Jahre her. Es gibt viel zu viele wichtige Akteure, als dass so eine Situation, in der das ganze System nicht zu kippen droht, sondern kippt, noch aus dem Handgelenk zu beherrschen wäre.

Ja, natürlich bin ich bei hochkomplexen Produkten. Aber davon sind wir umgeben. Computerfertigung, Kraftwerke, Wasserversorgung, Telekommunikationstechnik, Motoren, selbst die Erdölverarbeitung. Das sind alles keine Produkte von Handwerksbetrieben, die zur Not auch mal drei Monate von warmer Luft leben. Das sind alles über große Entfernungen vernetzte und von Kapitalfluss abhängige Strukturen.
Selbst wenn einfache Dinge wie einen Supermarkt zu bestücken funktionieren. Kein Traktor fährt ohne Diesel - egal wo auf dieser Welt. Kaum ein für die westliche Welt relevantes Feld wird heute mehr ohne Erdölprodukte bestellt, kein Obst ist mehr ohne Flugzeuge und Kühlhäuser denkbar.
Oder kurz: Die Welt ist komplex und kapitalisiert. Und diejenigen die den Kapitalfluss steuern sind nunmal die Großbanken.

Auch langfristige Lieferverträge kann man mit Firmen überall auf der Welt schließen. Ja, natürlich gibt es Ausnahmen von der Regel, dass der Billigste den Auftrag bekommt. Aber da würde ich in einem Konzern keinen Fünfer drauf verwetten. Bei uns geht das so weit, dass Produkte, die im eigenen Konzern identisch hergestellt werden könnten (und werden) extern zugekauft werden, weil der Fremdanbieter günstiger ist. Keine Schrauben und Unterlegscheiben, sondern Güter, bei denen das Stück so viel kostet, wie mancher in 45 Jahren Arbeitsleben nicht verdient.

Das ganze ist mir zu unüberschaubar, um mich da ernsthaft an Prognosen zu wagen, in normalen Kategorien kann man da jedenfalls nicht mehr weiterdenken.

[...]

Nehmen wir mal an, billiger russischer und amerikanischer Weizen hätten dazu geführt, daß die deutsche Agrarwirtschaft zusammengebrochen wäre, dann hätte das zu massiver Arbeitslosigkeit einerseits und zu starker Abhängigkeit von Getreideimporten andererseits geführt, die ostelbischen Junker wären verarmt usw. Rußland und Amerika hätten Deutschland damit faktisch ein Stück weit seine Politik diktieren können. Der erste Weltkrieg hätte nicht stattfinden können oder hätte anders verlaufen müssen, z.B. ein deutsch-russisches Bündnis gegen ein westeuropäisch-amerikanisches.


Aha. Hier sind unüberschaubare Annahmen aber möglich? Die politische Lage vor dem ersten Weltkrieg in Europa ist für dich weniger komplex als die Vorstellung was passiert, wenn es kein Geld mehr gibt? Ich gebe zu, ich bin erstaunt.

Agrastrukturen lassen sich nicht 1:1 auf Bankenstrukturen übertragen. Und nein, die Transportproblematik ist durchaus nicht unwichtig. Während der Weizenhandel im ausgehenden 19. Jh. wie auch heute durchaus seine Zeit in Anspruch nahm und nimmt, funktioniert der Finanzmarkt heute quasi in Echtzeit, weltweit vernetzt. Das ist ein wesentliches Problem beim Steuern und Regeln. Wenn irgendwo die Weizenernte schlecht ausfällt, dann weiß man das 3 Monate vorher. Wenn irgendwo eine Bank oder mehrere krachen gehen, dann weiß man das mit Glück 3 Tage vorher. Und es sind auch nicht nur 10 Weizenimporteure pleite und wir zahlen für die Brötchen 5ct mehr. Die Probleme erstrecken sich sofort in alle Wirtschaftszweige.
Experience is directly proportional to the amount of equipment ruined.
Wer den Himmel auf Erden sucht, hat im Erdkundeunterricht geschlafen. (Stanislaw Jerzy Lec)
Und wenn der ganze Schnee verbrennt, die Asche bleibt uns doch.
У нас девять месяцев в году холодно
и три месяца замораживания холода.
Из Сибири
Benutzeravatar
Chefstratege
||
 
Beiträge: 11664
Registriert: 08.2014
Danke gegeben: 305
Danke bekommen: 1338x in 1101 Posts
Highscores: 6
Geschlecht: nicht angegeben
Wie hast du uns gefunden?: Andere

Vorherige

Zurück zu "Politik und Nachrichten"


 

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron