Funktioniert "Zurück zu alter Größe"?

Hier dreht sich alles um das politische Weltgeschehen.

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Re: Funktioniert "Zurück zu alter Größe"?

Ungelesener Beitragvon Heinzz » 12. Dez 2016, 12:47

Zielgruppen bei Wahlkämpfen sind u.a. Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte.
Beim Trump-Wahlkampf haben diese Leute eine größere Rolle gespielt.
Trump sagte zu Arbeitsplätze wieder ins Land zurück zu holen.

Es gibt ja Industriestandorte die den Zenit der wirtschaftlichen Rentabilität überschritten haben.
Wenn man Leuten verspricht Arbeitsplätze wieder zurück zu holen, dann sieht der Angesprochene in solchen Orten wieder eine Zukunft.
Wie funktioniert so was in einer Welt in der u.a. auch vieles virtualisiert wird?
Geht es da nicht darum neue andersartige Produktionsstätten und Zentren zu schaffen.
Rentiert sich Massenarbeit überall, oder nur dort wo auch Löhne niedrig sind und Weichwährungen existieren?
Wenn man jetzt z.B. ein Massenprodukt im Inland produzieren will, dann wird man doch auf Automatisierung setzen.
Da braucht man ein paar Programmierer, Produktionsmechaniker, Elektriker, ..... nicht aber eine Vielzahl an Bandarbeitern.
Was will man machen um die Wähler in Arbeit zu bringen die angesprochen wurden.
Der Blick zurück in dem es Vollbeschäftigung gab ist doch nicht in die Zukunft übertragbar.

Ist da ein Versprechen Leute wieder in Arbeit zu bringen nicht eigentlich eine Lüge?
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Re: Funktioniert "Zurück zu alter Größe"?

Ungelesener Beitragvon Schreiberling » 12. Dez 2016, 13:41

Auch da könnte ein Staat eingreifen, indem er eben den Einsatz von entsprechenden Maschinen verbietet (Brachialmethode) oder eine so hohe Maschinensteuer erhebt, daß es nicht lohnt, diese Maschinen einzusetzen. Es wäre natürlich auch denkbar, zu verlangen, daß z.B. 10% der Produktion auf einfachere Weise erfolgen müssen, um Arbeitsplätze für weniger begabte Menschen zu schaffen. So fern dann jedes Unternehmen das tun muß, bestünde auch Chancengleichheit im nationalen Wettbewerb.

Wenn ein Land die Globalisierung und weitere Automatisierung wirklich unterbinden will und Vollbeschäftigung herstellen, dann finden sich da Mittel und Wege. Ob das nun sinnvoll ist, kann man natürlich streiten.
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Re: Funktioniert "Zurück zu alter Größe"?

Ungelesener Beitragvon Schreiberling » 12. Dez 2016, 13:56

Udn genauso ist es auch hier, ja, man erinnert sich noch gern an die D-Mark und wie angesehen sie war, doch die ganzen Schwierigkeiten im Handel, Kursschwankungen und Umrechnungen, die haben die Bürger am Wenigsten mitbekommen, das betraf ja nur die Firmen.

Und so würde es auch passieren, wenn wir die EU auflösen würden und die D-Mark wieder einführen. Das Essen im Restaurant wird dadurch nicht billiger werden, das Benzin sowieso nicht, und auch die Marktstellung wird sich dadurch nicht verbessern. Im Gegenteil, in vielen Bereichen wird es erhebliche Verschlechterungen bringen, an denen sich viele Mittelständler die Zähne ausbeissen werden und Konkurs anmelden müssten. Jedes Jahr ziehen zum Beispiel über 20 000 Menschen nach Österreich, um dort zu studieren oder über den Winter zu arbeiten. Dies wäre alles nicht mehr so einfach möglich.


Ob das Benzin billiger würde, wäre eine Frage des Wechselkurses und der Besteuerung/Verzollung der Kraftstoffe. Wenn die Mark dann durch die Decke schießen würde, würde es jedenfalls günstiger.

Was die Wechselkurse angeht, so wäre es aber überdies denkbar, mit bestimmten Staaten feste Wechselkurse zu vereinbaren, die von Zeit zu Zeit angepaßt werden, entweder als feste Koppelung oder eben dadurch, daß die Zentralbanken dafür sorgen, daß der Kurs praktisch nicht schwankt. Der österreichische Schilling und die DM hatten ja ab Anfang der 80er de facto auch einen festen Wechslekurs, bei dem 1 DM ziemlich exakt 7,05 Schilling entsprachen.

https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ste ... to_ATS.svg

Ansonsten ist es ja gerade Sinn und Zweck einer Renationalisierungspolitik den globalisierten Handel zurückzufahren, daß sehr exportintensive Unternehmen dann nach und nach ihre Produktion auf den eigenen Markt ausrichten, ist ja gewollt. Da muß natürlich behutsam vorgegangen werden, wenn man nicht will, daß es zu größeren Verwerfungen kommt und es eine harte Transformationsphase wird.

Wobei ich ohnehin Zweifel anmelde, was die Gefahr von Wechselkursschwankungen angeht, mal profitiert man, mal verliert man. Viele - auch kelinere Staaten - fahren gut mit ihrer eigenen Währung. Daß die Schweiz, Norwegen, Japan, Südkorea, Neuseeland, Australien, Taiwan usw. Armenhäuser der Welt seien, kann man ja nun wirklich nicht sagen.
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Re: Funktioniert "Zurück zu alter Größe"?

Ungelesener Beitragvon Heinzz » 12. Dez 2016, 14:22

Schreiberling hat geschrieben:
Daß die Schweiz, Norwegen, .............. usw. Armenhäuser der Welt seien, kann man ja nun wirklich nicht sagen.

Ich habe mal ein TV-Interview mit einem schweizer Nationalrat gesehen, in dem es darum ging, das die Schweiz mit China ein Freihandels-Abkommen geschlossen hat.
Der Nationalrat wurde vom Moderator gefragt, wie die Schweiz gegen die chinesische Produkt-Piraterie vorgehen würde, worauf der Rat antwortete: "Mit Innovationen".
Für mich zeigt das doch die Ohnmacht einzelner Staaten gegenüber einer Handelsmacht wie China.

Über Norwegen habe ich mal eine Aussage gehört, dieses Land soll wie andere EU-Länder behandelt werden, indem es ein Einzahler ist, jedoch kein Mitbestimmer.
(Das habe ich aber nur ein einziges mal gehört und nicht geprüft)
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Re: Funktioniert "Zurück zu alter Größe"?

Ungelesener Beitragvon Chefstratege » 12. Dez 2016, 14:29

@Schreiberling: Wenn ich mich hier in der Region umschaue, würden in diesem Fall wahrscheinlich 100% der größeren Unternehmen über kurz oder lang zumachen bzw. ins Ausland verlagert. Weder von Eisenbahnfahrzeugen noch von Gasturbinen oder ähnlichen schweren Industriegütern gibt es in Deutschland einen Markt, der diese Unternehmen auch nur zu 10% auslasten würde. Das wäre für diese Region hier im Prinzip das wirtschaftliche Todesurteil.

Und auch alle die von dir genannten Länder mit einer eigenen Währung handeln stark mit dem Rest der Welt. Ideales Beispiel, die Subventionierung bis zum Abwinken der Schiffbauindustrie in Südkorea. Oder die Hochtechnologie in Japan. Würden sich diese Länder abschotten, wären sie in keinster Weise so erfolgreich.
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Re: Funktioniert "Zurück zu alter Größe"?

Ungelesener Beitragvon Schreiberling » 12. Dez 2016, 16:16

Und auch alle die von dir genannten Länder mit einer eigenen Währung handeln stark mit dem Rest der Welt. Ideales Beispiel, die Subventionierung bis zum Abwinken der Schiffbauindustrie in Südkorea. Oder die Hochtechnologie in Japan. Würden sich diese Länder abschotten, wären sie in keinster Weise so erfolgreich.


Ich habe mit keinem Wort behauptet, daß es sich dabei um in den Welthandel desintegrierte Volkswirtschaften handeln würde. Meine diesbezüglichen Ausführungen bezogen sich auf Jackos Befürchtungen, daß eine eigene Währung Deutschlands Prosperität und erfolgreiche Teilnahme am Welthandel bzw. die Zukunft zumindest mittelständischer Unternehmen gefährden dürfte.

Ein Blick auf die Wirtschaftsgeschichte von Ländern wie Japan, Südkorea, Taiwan lohnt aber. Deren Aufstieg zu Wirtschaftsmächten begann nämlich nicht mit Freihandel, sondern mit Abschottung und starken dirigistischen Elementen. Erst als diese Länder eine gewisse wirtschaftliche Stärke erreicht hatten, öffneten sie sich dem Welthandel und begannen ausländische Märkte durch ihre Wettbewerbsvorteile (geringere Löhne) zu erobern.

Die koreanischen Schiffahrtssubventionen verdeutlichen allerdings, daß das auch teuer werden kann, wenn man sich auf dem Weltmarkt dauerhaft behaupten will oder muß. Wobei ich nicht weiß, ob der Schiffbau für Südkorea überhaupt noch rentabel ist. Hier bedarf es also einer differenzierteren Betrachtung.

Wenn ich mich hier in der Region umschaue, würden in diesem Fall wahrscheinlich 100% der größeren Unternehmen über kurz oder lang zumachen bzw. ins Ausland verlagert. Weder von Eisenbahnfahrzeugen noch von Gasturbinen oder ähnlichen schweren Industriegütern gibt es in Deutschland einen Markt, der diese Unternehmen auch nur zu 10% auslasten würde. Das wäre für diese Region hier im Prinzip das wirtschfatliche Todesurteil.


Damit hängt Deine Region aber in gewisser Weise am freien Welthandel wie der Alkoholiker an der Flasche oder der vermeintliche Spitzensportler am Doping, wenn man es polemisch überspitzen will. Betrachtet man es grundsätzlich, dann bestehen zwei Möglichkeiten, entweder diese Monostruktur (allmählich) aufzubrechen und die Produktion zu diversifizieren, oder eben am Freihandel festhalten. Hat beides Vorteile und Nachteile, bei einer Diversifizierung fallen wohl Synergieeffekte usw. weg, bei der Freihandelslösung ist man auf Gedeih und Verderb den weltweiten Märkten ausgeliefert und muß zittern, wenn dann ein Trump mit Zöllen droht. Zwischen diesen Schwarz/Weiß-Lösungen gibt es sicher aber einen weiten Bereich an Zwischenstufen, je nach Produktbereich und Branche usw. Eine gesunde nationale Abnehmerbasis ist der nahezu vollkommenen Exportabhängigkeit jedenfalls in meinen Augen vorzuziehen.

Ich habe mal ein TV-Interview mit einem schweizer Nationalrat gesehen, in dem es darum ging, das die Schweiz mit China ein Freihandels-Abkommen geschlossen hat.
Der Nationalrat wurde vom Moderator gefragt, wie die Schweiz gegen die chinesische Produkt-Piraterie vorgehen würde, worauf der Rat antwortete: "Mit Innovationen".
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Geistiges Eigentum (urheberrechet, Patente, etc.) ist ein recht spannendes Thema, auch wenn man es in der historischen und (rechts-)philosophischen Dimension betrachtet. Es ist auch recht zentral im modernen liberal-kapitalistischen Wirtschaftssystem.

Eigentum bedeutet die rechtliche Herrschaftsgewalt über etwas, während Besitz die tatsächliche Herrschaft meint. Bei Sachen (körperlichen Gegenständen) ist es so, daß es für den praktische Nutzbarkeit wenig ankommt, ob man Eigentümer ist, sondern auf den Besitz. Mit einem gestohlenen Mantel ist es genauso warm wie meit einem rechtmäßig erworbenen.

Beim geistigen Eigentum ist es anders, da basiert der Nutzen weit überweiegend eben nur auf der rechtlichen Einigung einer Rechtsgemeinschaft, daß es so etwas wie ein geistiges Eigentum überhaupt gibt, die tatsächliche Herrschaftsgewalt ist zwar teilweise möglich. Man kann zwar einen Roman oder einen wissenschaftlichen Aufsatz in den Schrank legen, dann hat man die Herrschaftsgewalt darüber, aber wenn man ihn wirtschaftlich verwerten will, dann bleibt einem nur, ihn drucken zu lassen und so bald er einmal gedruckt ist, kann ihn jeder nachdrucken. Man verdient also bestenfalls daan diesem einen Mal, wo man das Geschaffene zur Verfügung stellt, danach ist es ohne rechtlichen Schutz durch die Rechstgemeinschaft wirtschaftlich im Grunde nicht mehr zu verwerten. Mit Erfindungen ist es das Gleiche; allenfalls kann man da die Verfahren geheimhalten und selbst produzieren.

Produktpiraterie bedeutet letztlich, daß man einen Anspruch auf ein Ausschließlichkeitsrecht an einer bestimmten Konstruktion oder einer Produktionsweise oder einer bestimmten Gestaltung erhebt. Wenn man das völkerrechtliche Prinzip der Souveränität der Nationen beachtet, so kann jede Nation, jede Rechtsgemeinschaft selbst bestimmen, ob und in welchem Umfange sie ein solches geistiges Eigentum ebtabliert. Dazu sind natürlich im Laufe der Zeit auch internationale Abkommen entwickelt worden, so daß zumindest de jure auf der ganzen Welt ein solcher Schutz besteht.

Was nun die faktische Durchsetzung im Ausland angeht, so besteht ein Interesse vor allem dann, wenn ein Unternehmen (oder auch eine Volkswirtschaft) auf einem ausländischen Markt tatsächlich als Anbieter auftreten will oder zumindest mit seinem geistigen Eigentum handeln will (Lizenzproduktion). Das ist dann natürlich Globalisierung, denn in einer nichtglobalisierten Welt würde das kaum interessieren, ob eine chinesische Firma schweizerische Produkte kopiert oder umgekehrt, da ja jeder nur bei sich anbietet.

Da ein ganz radikales Zurück wohl nicht praktikabel wäre, könnte eine kleinere Nation die Strategie fahren, sich gleichermaßen vom Außenhandel weniger abhängig zu machen, aber auch flexible Bündnisse zu schmieden, wo gemeinsame Interessen bestehen und Absprachen mit Ländern in ähnlicher Situation zu treffen. Die chinesische Produktpiraterie trifft ja nicht nur die Schweiz, sondern im Grudne alle Hochtechnologienationen.

Über Norwegen habe ich mal eine Aussage gehört, dieses Land soll wie andere EU-Länder behandelt werden, indem es ein Einzahler ist, jedoch kein Mitbestimmer.
(Das habe ich aber nur ein einziges mal gehört und nicht geprüft)


Es spricht meines Erachtens nichts dagegen, sich bei einer EU soweit anzuhängen, wie es den eigenen Interessen entspricht. Besser wäre es natürlich, die EU durch etwas Loseres zu ersetzen, die ggf. die gleiche Funktion übernehmen kann.
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Re: Funktioniert "Zurück zu alter Größe"?

Ungelesener Beitragvon Chefstratege » 12. Dez 2016, 19:56

Schreiberling hat geschrieben:
Und auch alle die von dir genannten Länder mit einer eigenen Währung handeln stark mit dem Rest der Welt. Ideales Beispiel, die Subventionierung bis zum Abwinken der Schiffbauindustrie in Südkorea. Oder die Hochtechnologie in Japan. Würden sich diese Länder abschotten, wären sie in keinster Weise so erfolgreich.


Ich habe mit keinem Wort behauptet, daß es sich dabei um in den Welthandel desintegrierte Volkswirtschaften handeln würde. Meine diesbezüglichen Ausführungen bezogen sich auf Jackos Befürchtungen, daß eine eigene Währung Deutschlands Prosperität und erfolgreiche Teilnahme am Welthandel bzw. die Zukunft zumindest mittelständischer Unternehmen gefährden dürfte.


Das tut sie alleine nicht - lediglich im Zusammenhang mit der von dir geforderten Abwendung vom Exportmarkt. Ich wollte lediglich herausstellen, dass beides zusammen schon gar nicht geht.

Schreiberling hat geschrieben:Ein Blick auf die Wirtschaftsgeschichte von Ländern wie Japan, Südkorea, Taiwan lohnt aber. Deren Aufstieg zu Wirtschaftsmächten begann nämlich nicht mit Freihandel, sondern mit Abschottung und starken dirigistischen Elementen. Erst als diese Länder eine gewisse wirtschaftliche Stärke erreicht hatten, öffneten sie sich dem Welthandel und begannen ausländische Märkte durch ihre Wettbewerbsvorteile (geringere Löhne) zu erobern.


Das ist richtig. Allerdings begannen alle diese wirtschaftlichen Aufschwünge zu einer Zeit, als Freihandelsabkommen sowieso eine untergeordnete Rolle spielten. Entsprechend ist die Situation wohl eher nicht zu vergleichen und Schlussfolgerungen auf den heutigen Markt mit äußerster Vorsicht zu genießen. Was vor 40 oder 50 Jahren gut funktioniert hat, funktioniert in einem zunehmend freien weltweiten Markt eben noch lange nicht. Auch die Umkehrung des Prozesses nicht, schon gar nicht im Alleingang.

Schreiberling hat geschrieben:
Wenn ich mich hier in der Region umschaue, würden in diesem Fall wahrscheinlich 100% der größeren Unternehmen über kurz oder lang zumachen bzw. ins Ausland verlagert. Weder von Eisenbahnfahrzeugen noch von Gasturbinen oder ähnlichen schweren Industriegütern gibt es in Deutschland einen Markt, der diese Unternehmen auch nur zu 10% auslasten würde. Das wäre für diese Region hier im Prinzip das wirtschfatliche Todesurteil.


Damit hängt Deine Region aber in gewisser Weise am freien Welthandel wie der Alkoholiker an der Flasche oder der vermeintliche Spitzensportler am Doping, wenn man es polemisch überspitzen will. Betrachtet man es grundsätzlich, dann bestehen zwei Möglichkeiten, entweder diese Monostruktur (allmählich) aufzubrechen und die Produktion zu diversifizieren, oder eben am Freihandel festhalten. Hat beides Vorteile und Nachteile, bei einer Diversifizierung fallen wohl Synergieeffekte usw. weg, bei der Freihandelslösung ist man auf Gedeih und Verderb den weltweiten Märkten ausgeliefert und muß zittern, wenn dann ein Trump mit Zöllen droht. Zwischen diesen Schwarz/Weiß-Lösungen gibt es sicher aber einen weiten Bereich an Zwischenstufen, je nach Produktbereich und Branche usw. Eine gesunde nationale Abnehmerbasis ist der nahezu vollkommenen Exportabhängigkeit jedenfalls in meinen Augen vorzuziehen.


In unserer Region sind, wie in vielen anderen auch, Internationale Konzerne diejenigen, die bei weitem die besten Löhne und Arbeitsbedingungen bieten. Diese Konzerne sind selbstverständlich abhängig vom freien Markt - auch wenn es deutsche Unternehmen sind wie Siemens, Bosch oder verschiedene Autobauer. Sollte Deutschland im Alleingang sich vom freien Weltmarkt weitgehend lossagen, dann werden diese Firmen natürlich ihre Konsequenzen ziehen. Der Effekt, dass entsprechende Werke ins billigere Ausland verlagert werden wird enorm zunehmen. Die Mengen, die Deutschland für den eigenen Bedarf herstellt sind und bleiben eher gering. Das Wirtschaftsvolumen im Land nimmt ab, weil der komplette Exportüberschuss, der heute einen großen Teil unserer Wirtschaftsleistung ausmacht, nicht mehr im Land produziert werden wird. Dieser ist bedeutend höher als das, was wir hinzugewinnen würden, wenn wir an Stelle von importierten Produkten soweit wie möglich auf heimische Produktion umstellen. Wo das überhaupt möglich ist.

Es kommen also zwei Effekte zusammen: Zum einen gibt es einfach viel weniger zu produzieren, zum anderen werden die Dinge die produziert werden wesentlich teurer - da sie ja jetzt unter deutschen Löhnen hergestellt werden müssen und nicht mehr günstig importiert werden können. Das ist der beste und einfachste Weg, das Land in eine ansehnliche Wirtschaftskrise zu stürtzen.

Zudem kann ich nicht feststellen, dass hier jemand bisher das große Zittern bekommen hat wegen Trump. Die Börse hat mit den Achseln gezuckt und große Unternehmen haben bisher auch nicht reagiert. Wobei die USA auch an dieser Stelle in einer bei weitem komfortableren Lage ist. Weil deren Binnenmarkt einfach ein vielfaches von unserem inneren Handelsvolumen umfasst.
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Re: Funktioniert "Zurück zu alter Größe"?

Ungelesener Beitragvon Schreiberling » 12. Dez 2016, 22:16

In unserer Region sind, wie in vielen anderen auch, Internationale Konzerne diejenigen, die bei weitem die besten Löhne und Arbeitsbedingungen bieten. Diese Konzerne sind selbstverständlich abhängig vom freien Markt - auch wenn es deutsche Unternehmen sind wie Siemens, Bosch oder verschiedene Autobauer. Sollte Deutschland im Alleingang sich vom freien Weltmarkt weitgehend lossagen, dann werden diese Firmen natürlich ihre Konsequenzen ziehen. Der Effekt, dass entsprechende Werke ins billigere Ausland verlagert werden wird enorm zunehmen. Die Mengen, die Deutschland für den eigenen Bedarf herstellt sind und bleiben eher gering. Das Wirtschaftsvolumen im Land nimmt ab, weil der komplette Exportüberschuss, der heute einen großen Teil unserer Wirtschaftsleistung ausmacht, nicht mehr im Land produziert werden wird. Dieser ist bedeutend höher als das, was wir hinzugewinnen würden, wenn wir an Stelle von importierten Produkten soweit wie möglich auf heimische Produktion umstellen. Wo das überhaupt möglich ist.


Daß in solchen Weltkonzernen am besten bezahlt wird und die größten Gewinne erzielt werden, ist schon klar, weil eben große Stückzahlen produziert werden, ich glaube, das nennen die Wirtschaftswissenschaftler Skaleneffekte. Eine abgeschottete Volkswirtschaft büßt freilich in manchen Bereichen Effizienz ein, eine Verringerung der Weltmarktabhängigkeit und Arbeitsplätze für geringer Begabte müssen schon in gewisser Weise "erkauft" werden. Wobei sich das natürlich teils auch wieder ausgleichen kann, denn Arbeitslosenunterstützung muß auch finanziert werden.

Was aber den vielgelobten Exportüberschuß angeht, so ist das ein eher zweischneidiges Schwert. Zwar erhöhen Exporte den Bedarf an Arbeitskräften, aber sie tragen nicht unmittelabar zur Erhöhung des Lebensstandards bei. Wenn eine Volkswirtschaft Waren exportiert, aber nur für 4/5 des Wertes andere Waren bekommt, so muß das Ausland entweder bei der betreffenden Volkswirtschaft einen Kredit aufnehmen oder anderweitig an das Geld kommen, zum Beispiel durch deutsche Urlauber, durch eigene Landsleute, die in Deutschland leben aber Geld zu Verwandten heimschicken, durch Entwicklungshilfe, oder durch Konzerne, die in Deutschland gemachte Gewinne ins Ausland transferieren, um dort Produktionsanlagen aufzubauen. Letzteres passiert in massivem Umfang, von deutschen Exportüberschüssen vieler Firmen werden in billigeren Ländern Fabrikationsanlagen aufgebaut, die dann in Konkurrenz zu deutschen Produktionsstandorten treten.

Exportüberschüsse werden jedenfalls nicht zwangsweise zum Nutzen von Deutschland verwendet, es sind in dem Sinne keine nationalen Exportüberschüsse, da in einer freien Marktwirtschaft dahingehend Privatautonomie und Kapitalverkehrsfreiheit herrscht. Der, der über sie verfügt, entscheidet, wofür er sie verwendet und einen internationalen Konzern wird das Schicksal Deutschlands nicht interessieren, der setzt die erziellten Überschüsse so und dort ein, wo sie ihm am meisten Nutzen bringen. So könnte der X-Konzern zum Beispiel den Erlös der von Deutschland nach Brasilien exportierten Autos dafür nutzen, um in Brasilien eine neue Fabrik aufzubauen und es bliebe statistisch ein Exportüberschuß. Selbst wenn Äthiopien diese Autos von deutscher Entwicklungshilfe kauft und der Konzern daraufhin in Äthiopien investiert, um in Kürze seine Fabrik in Deutschland zu schließen und fortan in Deutschland in Äthiopien produzierte Autos zu verkaufen, wäre das zunächst immer noch statistisch ein Exportüberschuß - freilich aber ein volkswirtschaftlich total nutzloser. Erst in der Zahlungsbilanz taucht es dann als Abfluß auf und dann halt in der nächsten Bilanz.

Es kommen also zwei Effekte zusammen: Zum einen gibt es einfach viel weniger zu produzieren, zum anderen werden die Dinge die produziert werden wesentlich teurer - da sie ja jetzt unter deutschen Löhnen hergestellt werden müssen und nicht mehr günstig importiert werden können. Das ist der beste und einfachste Weg, das Land in eine ansehnliche Wirtschaftskrise zu stürtzen.


Abrupter Systemwechsel bedeutet eigentlich immer heftige Krise, egal ob das System nun gut war oder nicht, das Ende des Sowjetsystems brachte zunächst auch fast ausschließlich Nachteile. Deshalb sollten entscheidende Veränderungen grundsätzlich behutsam durchgeführt werden, wenn es möglich ist.

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Letztlich wird es bei einer Rückdrängung der Globalisierung dann wohl aber auch nicht darum gehen, jeden Handel abzuschaffen, sondern eben vor allem dafür zu sorgen, daß gewisse Schieflagen beseitigt werden.
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Re: Funktioniert "Zurück zu alter Größe"?

Ungelesener Beitragvon Jacko » 13. Dez 2016, 07:31

Was eine abgeschottete Gesellschaft auf die Beine stellen kann, ist im Extremfall in Nordkorea zu sehen. Alternativ dürfte es noch genügend Menschen geben, die die letzten Jahre der DDR erlebt haben oder sich noch an die Zustände von Rumänien und Bulgarien erinnern können.

Weltoffenheit hat durchaus seine Vorteile. Und ich denke, weitaus mehr Vorteile als Nachteile.
"Die Summe der Interligenz auf dem Planeten ist eine Konstante, aber die Bevölkerung wächst"
(Jean-Luc Picard)


Ich schlaf nicht gern auf weichen Daunen;
denn statt des Märchenwaldes Raunen
hör ich im Traume all die kleinen
gerupften Gänslein bitter weinen.
Sie kommen an mein Bett und stöhnen
und klappern frierend mit den Zähnen,
und dieses Klappern klingt so schaurig...
Wenn ich erwache, bin ich traurig.

Heinz Erhardt
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Re: Funktioniert "Zurück zu alter Größe"?

Ungelesener Beitragvon Schreiberling » 13. Dez 2016, 23:05

Was ist denn mit Nordkorea? Macht doch einen ordentlichen Eindruck dort! Man muß sich nur aus den richtigen Quellen informieren! ;-)

www.youtube.com Video From : www.youtube.com



Nicolae Ceaucescu wurde sogar vor einigen Jahren zum beliebtesten Rumänen gewählt und was wird von der DDR geschwärmt, keine Arbeitslosen, keine Obdachlosen, keine Drogendealer, Essen war billig und gut. Die DDR wurde doch zeitweilig sogar für die zehntgrößte Industrienation gehalten... ;-)

Wenn wir jetzt ernsthaft mit Nordkorea usw. anfangen, wo 25% des BIP in die Rüstung fließen, so daß quasi jede Vierte Arbeitsstunde und die Hälfte der Industrieproduktion fürs Militär aufgewendet werden und die absurdesten Entscheidungen getroffen werden, dann wird es albern. Ansonsten hat Nordkorea auch einen nicht unwesentlichen Handel zum Beispiel mit China und die DDR mit den RGW-Staaten, die DDR hatte sogar Gastarbeiter. Alle genannten Staaten sind/waren übrigens Kommandowirtschaften, in denen theoretisch alles bis auf die letzte Schraube zentral geplant ist und in denen alle größeren Betriebe in Staatshand sind.

Die Souveränität über Grenzen und nationalen Markt zurückzugewinnen, bedeutet jedenfalls noch lange nicht, ein Land in eine absurde totalitäre Diktatur zu verwandeln. Wobei mich nicht wundern würde, wenn selbst das Regime in Nordkorea am Ende in den Geschichtsbüchern besser wegkommt als die aktuelle deutsche Politik, die zerstören die koreanische Zivilisation wenigstens nicht nach Strich und Faden.
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