Inszenierter Putsch im Reiche der Osmanen?

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Re: Inszenierter Putsch im Reiche der Osmanen?

Ungelesener Beitragvon Schreiberling » 29. Jul 2016, 22:28

Mir fällt dabei gerade wieder auf wie sehr unsere Rechtssprache eigentlich von dem Begriffsgegensatz objektiv-subjektiv, Willens(erklärung) objektiver Empfängerhorizont usw. geprägt ist. (Das hat viel mit Tradition, dem Selbstverständnis der Zunft und so weiter zu tun.) Also all diesen Begrifflichkeiten bei denen es höchst zweifelhaft ist, ob sie haltbar sind. Würde man ernst machen, mit so manchem, würde das ganze in sich zusammenstürzen. Man muß schon sagen, daß die Juristerei als Geisteswissenschaft irgendwie den Kontakt oder Anschluß verloren hat zu den anderen Geisteswissenchaften. (Vermutlich ein Resultat aus der Explosion der Menge an Gesetzen, Verordnungen und so weiter, die keine Luft mehr läßt.)

Aber Deine Aussage scheint doch mehr beanspruchen zu wollen als Intersubjektivität. Denn wer mit einer gewissen Vehemenz behauptet, daß es keine Objektivität gibt, der reklamiert doch im Grunde genau das zumindest für diese Aussage. Er behauptet, daß sie wahr sei und unwiderleglich und damit eben objektiv. Die These, daß es keine Objektivität gibt, in letzter Konsequenz vertreten, nagt dann an sich selbst.

Allerdings denke ich, daß es vielleicht doch einen kleinen objektiven Kern gibt, bei den Menschenrechten vielleicht noch nicht unbedingt, aber es gibt wohl doch Normen, die (nahezu) universell sind, jedoch dürfte dieser Kern nicht allzu groß sein. In einem Land mit Wasser im Überfluß ist es etwa überflüssig, den Zugang zu regulieren/beschränken (unsere moderne Umweltproblematik mal außen vor). In einem Land mit wenig Wasser dahingegen schwanken die Möglichkeiten zwischen brutalen offen ausgetragenen Verteilungskämpfen, oder einem bürokratischen Verteilungssystem. Das gilt für die ganze Welt.

Die normative Kraft des Faktischen ist aber oft vorhanden, durch lang andauernde Übung erstarkt etwas zum Gewohnheitsrecht und wenn sich die natürlichen Lebensbedingungen ändern, hat es fast immer Auswirkungen auf das Recht. Sicher, einen festen und "berechenbaren" Zusammenhang gibt es wohl nicht. In einem Land in dem sich Regeln auf Grund der Gegebenheiten nicht anwenden lassen oder nicht durchgesetzt werden, da werden sie aber auch nicht beachtet und geraten irgendwann außer Gebrauch. Nehmen wir mal die Elendsquartiere der Entwicklungsländer am Rande der großen Städte: Dort gelten theoretisch auch die Bauvorschriften, aber sie beachtet keiner und es käme dort auch keiner im Ansatz auf die Idee sich danach zu richten, weil den Leuten faktisch das Geld fehlt und faktisch das Baurecht nicht durchgesetzt wird, damit bildet sich eine neue Norm heraus, die zu einer Art Gewohnheitsrecht wird. Bis dann vielleicht wieder einer dem geschriebenen Recht gewaltsam mit Planierraupen Geltung verschafft. Ein anderes Beispiel wäre ein fiktives Gesetz des Deutschen Reiches, daß alle Amtsstuben im Winter auf 18 ° zu temperieren sind, jeder noch so krorrekte Beamte wäre wohl bei den damaligen Möglichkeiten de Klimatisierung auf dem Bismarck-Archipel oder in Togo daran gescheitert.
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Re: Inszenierter Putsch im Reiche der Osmanen?

Ungelesener Beitragvon samsa » 30. Jul 2016, 09:59

Ich behaupte ja nicht, dass es keine Objektivität gibt, nur dass Werte immer subjektiv sind, weil das Sollen nicht aus dem Sein hergeleitet werden kann (Humes Gesetz). Bezüglich absoluter Objektivität vertrete ich eine agnostische Haltung und bin der Meinung, dass wir sichere Aussagen über die Realität überhaupt nicht treffen können, weil letztlich jede Argumentation auf unser subjektives Erleben zurückfällt und eine objektivierende Letztbegründung logisch unmöglich ist. Grundsätzlich ist ja jede Aussage immer nur innerhalb eines Rahmens von nicht letztbegründbaren Axiomen möglich (z.B. "Logik ist ein Mittel zum Erlangen von Kenntnissen über die Wirklichkeit" oder "andere Personen existieren"). Man darf daher nicht vergessen, dass auch Wissen immer konstruktiv ist.

aber es gibt wohl doch Normen, die (nahezu) universell sind, jedoch dürfte dieser Kern nicht allzu groß sein

Ja, aber das wäre ja dann auch nur Intersubjektivität. Ich verwende die Begriffe jetzt so, wie sie mir aus der Philosophie geläufig sind, es mag sein, dass die Rechtsgeschichte hier abweichende Definitionen hat. Natürlich gibt es viele Parallelen zwischen unterschiedlichen sozialen Ordnungen, die aus gemeinsamen Notwendigkeiten folgen, aber trotzdem handelt es sich immer nur um menschgemachte Konventionen.
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