Politisch korrekt oder wie?

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Re: Politisch korrekt oder wie?

Ungelesener Beitragvon Schreiberling » 21. Jan 2018, 00:26

Was die Neutralität der Wikipedia angeht, schlage ich vor, mal die Seite zur AfD anzusehen und dann beispielsweise die Aktivitäten und den sprachlichen Duktus eines Herrn Andreas Kemper dort kritisch unter die Lupe zu nehmen, der fleißig am Artikel mitschreibt und dessen eigene Bücher und Aufsätze, im Artikel als Literaturverweise verlinkt sind.

Wobei Kemper eigentlich noch direkt neutral wirkt, wenn man sich die anderen Kampfschreiber dort ansieht.

Wenn man die Gliederung der Diskussionsseite ansieht, wird man kaum übersehen können, daß es da vorwiegend darum geht, wie man mit Dreck werfen könnte und das irgendwei belegt bekommt, statt sich mit der Programmatik der Partei auseinanderzusetzen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussio ... eutschland
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Re: Politisch korrekt oder wie?

Ungelesener Beitragvon Lillith » 21. Jan 2018, 01:12

Schreiberling
Es wird vermutlich kaum einen "Rassismusforscher" geben, der politisch eher rechts steht.


Politisch rechts zu stehen muss man differenzieren.
Reden wir von "wirtsschaftspolitisch" könnte ein Rassismusforscher durchaus "rechts" stehen.


Frauen sind genauso wie Neger eine biologisch-genetisch definierte Teilmenge der Menschheit, die eine Teilmenge wird über das Geschlecht, die andere über den Phänotyp und damit verbundene Eigenheiten definiert.

Wobei da ja auch schon die kulturmarxistische Wühltätigkeit in Form des Gender-Mainstreaming begonnen hat, die in Abrede stellen will, daß es typisch männliche und typisch weibliche Eigenschaften gibt. Vielmehr wird da behauptet, das seien lediglich durch Sozialisierung geschaffene Rollenbilder.


Mir ging es nicht darum was Frauen "sind" sondern wie das Wort "Frau" gebraucht wird, im Vergleich zu "Neger" und was das Wort intentioniert.


"Kanacke" soll wohl in einer afrikanischen Sprache Mensch heißen, ich bin gerade zu faul, das zu verifizieren, aber hier ist die abwertende Intention natürlich offensichtlich, ebenso wie "kleiner Halbneger" auch kaum etwas anderes sein kann als die Kundgabe der Geringachtung


Na jaaa, also im Grunde dürfte "kleiner Halbneger" nach deiner hier vertretenen Ansicht des Begriffs "Neger", nicht offensichtlich geringschätzend gewertet werden, weil ja der Begriff "Neger" von dir als normale Begrifflichkeit betrachtet wird.

Demnach ist "Kleiner Neger" nichts Schlimmes und "Kleiner Halbneger" müsste demzufolge nur halb so schlimm sein, weil kein Vollneger und wenn schon "Neger" harmlos ist, wie sehr dann erst "Halbneger", zumal noch klein. :icon_wink:
Ich weise hier also auf einen Widerspruch deinerseits hin.
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Re: Politisch korrekt oder wie?

Ungelesener Beitragvon Schreiberling » 21. Jan 2018, 02:42

Politisch rechts zu stehen muss man differenzieren.
Reden wir von "wirtsschaftspolitisch" könnte ein Rassismusforscher durchaus "rechts" stehen.


Einen Rassismusforscher, der für die sozial gestufte Klassengesellschaft mit ererbten Vorrechten einer kleinen Elite eintritt, die durch "göttliche Gnade" privilegiert ist? Das will ich sehen!

Mir ging es nicht darum was Frauen "sind" sondern wie das Wort "Frau" gebraucht wird, im Vergleich zu "Neger" und was das Wort intentioniert.


Der Brockhaus von 1838 meint unter anderem, daß Frauen den Männern im Verstand nachstehen, auch wenn er sich bemüht, dafür den Frauen andere Vorzüge zu attestieren. Ich sag' mal so, es kommt darauf an, wer und wann und wie... "Typisch Frau" ist auch kein Kompliment.

Demnach ist "Kleiner Neger" nichts Schlimmes und "Kleiner Halbneger" müsste demzufolge nur halb so schlimm sein, weil kein Vollneger und wenn schon "Neger" harmlos ist, wie sehr dann erst "Halbneger", zumal noch klein. :icon_wink:
Ich weise hier also auf einen Widerspruch deinerseits hin.


Nun ja, ich bezog mich auf die Pressemeldung bezüglich der Facebookaktivitäten des Abgeordneten Maier bzw. dessen Mitarbeiter. "hat der kleine Halbneger nicht genug Aufmerksamkeit bekommen", kan man wohl kaum anders verstehen als eine Herabwürdigung. Erstens, weil damit eine Person auf ihre rassischen Eigenschaften reduziert wird und zweitens, weil "klein" sich bei einer Körpergröße von 1,84 nicht darauf beziehen kann. "Neger" spielt keine Rolle, man könnte es genausogut durch etwas anderes ersetzen, "hat denn der kleine Blonde nicht genug Aufmerksamkeit bekommen", würde gleichermaßen herabsetzend wirken.
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Re: Politisch korrekt oder wie?

Ungelesener Beitragvon Jacko » 21. Jan 2018, 10:58

Lillith hat geschrieben:
Na jaaa, also im Grunde dürfte "kleiner Halbneger" nach deiner hier vertretenen Ansicht des Begriffs "Neger", nicht offensichtlich geringschätzend gewertet werden, weil ja der Begriff "Neger" von dir als normale Begrifflichkeit betrachtet wird.

Demnach ist "Kleiner Neger" nichts Schlimmes und "Kleiner Halbneger" müsste demzufolge nur halb so schlimm sein, weil kein Vollneger und wenn schon "Neger" harmlos ist, wie sehr dann erst "Halbneger", zumal noch klein. :icon_wink:
Ich weise hier also auf einen Widerspruch deinerseits hin.


Mit dem "halb" muss man vorsichtig sein! Im Schwäbischen ist ein Halbdackel durchaus schlimmer als ein Dackel, weil es dem Halbdackel ja noch nicht einmal bis zum Dackel gereicht hat... [ok]

Ich habe den Verdacht, dass hier auch eine rein gesellschaftliche Entwicklung ausser acht gelassen wird. Meine Mutter las mir viele Geschichten vor, für sie war ein Mohr keine Diskriminierung, auch Neger war keine Diskriminierung. Ohne irgendeinen Hintergedanken wurden diese Worte gebraucht. Nigger war aber immer als diskriminierend und geringschätzend bekannt.

Die ganze Wortklauberei hat den Ursprung bei solch überkorrekten Menschen, die meinen, man könne ja mal in Erscheinung treten, etwas in der Suppe rühren und mal sehen, wie viele darauf anspringen. Und diese Vorgehensweise funktioniert wunderbar...

Eure Philosophiererei ist irgendwie nur eine gute Unterhaltung, Versuche, sich in einer Nichtigkeit zu verlieren, irgendwo einen Satz zu finden, der für spätere Eskalationen als Entschuldigung dienen kann. Die Betroffenen selbst scheinen eigentlich Nebensache zu sein.
"Die Summe der Interligenz auf dem Planeten ist eine Konstante, aber die Bevölkerung wächst"
(Jean-Luc Picard)


Ich schlaf nicht gern auf weichen Daunen;
denn statt des Märchenwaldes Raunen
hör ich im Traume all die kleinen
gerupften Gänslein bitter weinen.
Sie kommen an mein Bett und stöhnen
und klappern frierend mit den Zähnen,
und dieses Klappern klingt so schaurig...
Wenn ich erwache, bin ich traurig.

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Re: Politisch korrekt oder wie?

Ungelesener Beitragvon samsa » 21. Jan 2018, 12:32

Wandlungen ins Negative sind ja grundsätzlich keine Erfindung der "Political Correctness". Klassische Beispiele solcher Pejorationen sind "Dirne" (junges Mädchen) oder "Weib" (Ehefrau). "Bastard" war ursprünglich auch nur ein uneheliches Kind, bevor es sich als Schimpfwort verselbstständigte. Problematisch wird es in der Tat, wenn in ein Wort eine negative Konnotation hineininterpretiert wird, weil wir dann schnell bei sprachlicher Willkür landen. Ein typischer Fall ist "Eskimo": Vollkommen harmloser Begriff ("Schneeschuhflechter" in der Cree-Sprache), dem irgendwann mal jemand unterstellt hat, er bedeute "Rohfleischfresser" und sei rassistisch. Nun gibt es aber für "Eskimo" auch gar keine Alternative - die Inuit sind nur ein Teilvolk, neben den Yupik, Inupiat etc. Natürlich ist die Veränderung von Sprachgewohnheiten auch ein Versuch der Machtausübung. "People of Color", eine ganz, ganz schreckliche Sammelbezeichnung für Nicht-Weiße, ist so ein offensichtlich politischer Kampfbegriff.

Eine ethnische Bezeichnung, die hingegen immer schon abwertend gemeint war, ist "Hottentotten" als Spottname für die Khoikhoi, ähnlich wie "Barbaren" bei den Griechen. Solche Begriffe nicht mehr zu verwenden sollte unmittelbar einleuchtend sein. Außerdem stellt sich grundsätzlich die Frage, ob auch aus Gründen der besseren Differenzierung nicht lieber die Selbstbezeichnungen von Stämmen gewählt werden sollten - problematisch wird es dann dort, wo solche Selbstbezeichnungen nicht existieren, aber aus klassifikatorischen Gründen zumindest in der Umgangssprache Sinn machen können ("Indianer").

Bei "Neger" finde ich die Sache schwierig. Das Wort hat für mich einen negativen Beiklang, etwas Essenzialisierendes und Abwertendes. Wurde das dem Begriff nun angedichtet oder wurde dieser negative Beiklang erkannt? Immerhin konnte nachgewiesen werden, dass der Begriff schon früh mit negativen Eigenschaften verbunden und als Schimpfwort auch auf Nicht-Dunkelhäutige übertragen wurde (sogar auf die Iren, die wegen ihrer angeblich geringeren Intelligenz als "weiße Neger" galten).
Es reicht m.E. nicht, nur auf die Denotation eines Wortes zu schauen. Die Konnotationen, die dieses Wort im Laufe der Zeit erwarb und die an ihm kleben wie alter Schmutz, sind immer mit zu berücksichtigen. Aufpassen muss man allerdings, dass man nicht in eine "Euphemismus-Tretmühle" gerät. Linke Geisteswissenschaftler messen hier der Sprache als "Wirklichkeitsproduzentin" oft zu viel Bedeutung bei.
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Re: Politisch korrekt oder wie?

Ungelesener Beitragvon Chefstratege » 21. Jan 2018, 14:17

Schreiberling hat geschrieben:Was die Neutralität der Wikipedia angeht, schlage ich vor, mal die Seite zur AfD anzusehen und dann beispielsweise die Aktivitäten und den sprachlichen Duktus eines Herrn Andreas Kemper dort kritisch unter die Lupe zu nehmen, der fleißig am Artikel mitschreibt und dessen eigene Bücher und Aufsätze, im Artikel als Literaturverweise verlinkt sind.

Wobei Kemper eigentlich noch direkt neutral wirkt, wenn man sich die anderen Kampfschreiber dort ansieht.

Wenn man die Gliederung der Diskussionsseite ansieht, wird man kaum übersehen können, daß es da vorwiegend darum geht, wie man mit Dreck werfen könnte und das irgendwei belegt bekommt, statt sich mit der Programmatik der Partei auseinanderzusetzen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussio ... eutschland


Den Artikel zur Alternative für Deutschland habe ich mir angesehen. Auch die Beiträge von dem von dir kritisierten Benutzer. Das ist relativ einfach, weil Wikipedia selbst starke Analysewerkzeuge bietet. In diesem Fall hat es nur gedauert, weil es von dem Artikel über 8000 Einträge in der Änderungshistorie gibt, die alle analysiert werden müssen.

Andreas Kemper hat mit Stand gestern Abend einen Anteil von 1,707 % an dem Artikel, etwa die Hälfte davon sind inhaltlich völlig unbedeutende Sachen wie grammatische Korrekturen oder die Reparatur von Weblinks. "Fleißig mitschreiben" ist also ziemlich übertrieben. Soweit ich sehe hat er sich auch nicht selbst zitiert.

Daneben ist es mir eigentlich relativ egal was auf der Diskussionsseite steht - da kann jeder viel schreiben, wenn der Tag lang ist. Sie wird im längerfristigen Schnitt etwa 45 mal pro Tag angesehen. Der Artikel selbst wird im Schnitt pro Tag 1560 mal aufgerufen. Konkrete inhaltliche Mängel im Artikel wären deshalb von Interesse, die du noch nicht aufgezeigt hast.

Auch hast Du bisher keinen Nachweis erbracht, dass die persönliche Ansicht von Autoren den Inhalt des Artikels über ein normales Maß hinaus verfälscht. Oder, dass Autoren mit konservativen Ansichten in der Unterzahl wären. Dazu nutzt es auch nichts die Diskussion zu lesen, die wenigsten Änderungen werden tatsächlich auch diskutiert.
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Re: Politisch korrekt oder wie?

Ungelesener Beitragvon samsa » 21. Jan 2018, 16:54

Ich muss da Chef mal beipflichten und sehe auch keine frappierenden Qualitätsmängel im AfD-Artikel. Das Problem ist, wie gesagt, dass die Forschung selbst schon tendenziös ist, z.B. durch die Verwendung von Begriffen wie "rechtspopulistisch", die nicht beschreibend, sondern wertend sind. Dass diese (leider) etablierte Nomenklatur dann aufgegriffen wird, kann man nicht den Wikipedianern zum Vorwurf machen, ebenso wenig wie absurde Einschätzungen angeblich seriöser Forscher, wonach die AfD "völkisch" sei. Problematisch sind nur manche Formulierungen, etwa bereits in der Einleitung: "Seit etwa 2015 gilt die AfD als rechtspopulistisch mit rechtsextremen Tendenzen". Sie gilt? Bei wem? Der Satz müsste ergänzt werden durch: "gilt unter vielen Politikwissenschaftlern und Kommentatoren" o.ä.,
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Re: Politisch korrekt oder wie?

Ungelesener Beitragvon Lillith » 21. Jan 2018, 17:37

Daneben ist es mir eigentlich relativ egal was auf der Diskussionsseite steht - da kann jeder viel schreiben, wenn der Tag lang ist.

Zumal sich die wenigen Diskutanten, untereinander selbst nicht mal einig waren und sich noch in die Flicken bekamen.
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Re: Politisch korrekt oder wie?

Ungelesener Beitragvon Schreiberling » 4. Feb 2018, 17:54

In die technischen Auswertungsmöglichkeiten muß ich mich mal genauer einarbeiten, Chefstratege. Ich gebe zu, daß ich da persönlich ein wenig subjektiven und zum Teil schon zurückliegenden Eindrücken gefolgt bin.

.....

Ansonsten: Nun ja, die Artikel werden meines Erachtens weit überweigend von Linken geschrieben (das ist wohl eine Frage der Prioritätensetzung bei der Einteilung der zur Verfügung stehenden Zeit), die Gegenstimmen in den Diskussionen kommen dann von verzweifelten Leuten, die entweder weiter rechts stehen oder von der Einseitigkeit entsetzt sind. Ich sehe das im Gegensatz zu Samsa nicht als problematische Formuliereungen, sondern als gezielte Agitation, die sich oft gerade so eben noch in Grenzbereichen bewegt. "Die AfD gilt" - so etwas bringt einen Anspruch auf "Wahrheit" bzw. eine objektive Allgemeinmeinung oder (moderner formuliert) "Intersubjektivität" zum Ausdruck.

Nehmen wir nur mal das, was da über Familien- und Geschlechterpolitik steht

"Familien- und Geschlechterpolitik

Die AfD vertritt (erz-)konservativ-antifeministische Positionen in der Geschlechterpolitik, wie Jasmin Siri (2016) und in anderen Arbeiten Andreas Kemper herausgearbeitet haben. Man lehnt Gleichstellungspolitik ab und stützt sich dabei u. a. auf christlich-fundamentalistische und völkische Vorstellungen. In diesem Kontext gibt es Anschlussfähigkeit an die extreme Rechte.[25] In der Familien- und Geschlechterpolitik gab es ein Auseinanderfallen von moderaterer Programmatik und radikalerer Agitation."

Bei mir weckt das die Assoziation, die AfD mßte sich in etwa so positionieren:

"Unsere Partei sieht die Rolle der Frau als diejenige der Hausfrau und Mutter, weibliche Berufstätigkeit ist genauso wie geduldete Homosexualität als eine Entartung der natürlichen Lebensordnung des Volkes zu sehen. Eine weibliche Berufstätigkeit sollte, wenn sie denn überhaupt erforderlich sein sollte, nur im Ausnahmefalle wirtschaftlicher Not vorkommen, soweit es sich nicht um Mithilfe im Betrieb des Mannes handelt. Wir sehen die Duldung der alleinerziehende Frau und die bürgerliche Scheidung als Angriff auf die hergebrachte sittliche Ordnung, der es einen Riegel vorzuschieben gilt. Homosexualität muß mit der sittenbildenden Kraft und dem scharfen Schwert des Strafgesetzes bekämpft werden, weil darin ein Niedergang der sittlichen Ordnung des Volkes zu sehen ist. Im weiteren ist insbesondere aber auch die Mission der Mohammedaner und der Juden voranzutreiben und gegebenenfalls die Ausweisung vorzunehmen, wo dieser Forderung und einer kulturellen Germanisierung nicht bereitwillig nachgekommen wird. Wir wollen die Gleichberechtigung als Zersetzung jener natürlichen gottgegebenen Ordnung und Grundlage der Reproduktion des Volkes sowie die Angriffe auf die Familie als Grundlage der Volksgemeinschaft entschieden bekämpfen. Gegenstand einer gesunden Volksgemeinschaft sind dabei aber auch stets rassenhygienische und volkstumsbewahrende Elemente, so daß eine weitere Zersetzung der völkischen Homogenität und Identität nicht weiter geduldet werden kann. Vielmehr ist die Fortpflanzung rassenspezifisch..."

Wobei - mal abgesehen von dem völkischen Aspekt - das so ziemlich die Standpunkte der Adenauer-CDU waren, das völkische mag man latent in FDP und DP teils gefunden haben.

Nehmen wir dochl Minister Wörmeling, der sich offen als Bollwerk gegen die Gleichberechtigung wähnte, obschon man da durchaus fragen konnte, ob eine solche Auffassung eines Bundesministers eigentlich tragbar ist, im Hinblick auf die Verfassung.

Mag sein, daß das für andere Wissenschaften nicht gilt, aber wir Juristen pflegen in solchen Fällen die Spannweite Meinungen gegenüberzustellen, die Antwort auf eine Frage sein können und versuchen dann zu argumentieren, welche vorzugswürdig ist. Ist die AfD beim Frauenbild von einer Skale Ultraprogressiv bis Ultrareaktionär wirklich im erzkonservativen Bereich zu verorten. Ist eine Partei völkisch, die eine Einwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild fordert? Inwiefern läßt sich substanziiert nachweisen, daß die Partei in Wahrheit andere Zielstellungen verfolgt als sie offiziell vorgibt. Wenn man diese Wertung nicht treffen mag oder kann (soll man ja in der Wikipedia) nicht, dann muß man sich eben darauf beschränken, welche besonders häufig, welche weniger vertreten werden usw.

Natürlich kann man Meinungen aus der Wissenschaft zitieren, aber das ist dann aufzubereiten, der sagt das, der sagt das usw, Argumente sind darzustellen und zu vergleichen. Um eine gewisse Plausibilitätskontrolle wird man aber nicht herumkommen. Unredlich ist es aber, einen Lexikonartikel mit einem bestimmten Ziel zu schreiben und sich dann die passenden Meinungen bzw. Fundstellen zusammenzusuchen und jeder Dreck, den man Werfen kann dann reinzubringen, weil irgendein Kreisvorsitznder in Hintertupfingen im Suff auf seiner Facebookseite abgesondert hat und sich dann ein politisch äußerst links stehender "Wissenschaftler" drauf gestürzt hat.
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Re: Politisch korrekt oder wie?

Ungelesener Beitragvon samsa » 6. Feb 2018, 00:18

Schon lustig, wie sich AfDler jetzt über die "heute show" empören, die sich über einen stotternden AfD-Politiker lustig gemacht hat. Ist das mit der Political Correctness jetzt doch nicht so einfach, oder wie ist die Empörung zu verstehen? Viele der Leute, die jetzt Krokodilstränen ob der bösen Diskriminierung weinen, haben übrigens keinerlei Problem mit widerwärtigen Auslassungen über Claudia Roths oder Angela Merkels Attraktivität. Die Verlogenheit dieser Leute stinkt zum Himmel.
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