Rechtspopulismus

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Re: Rechtspopulismus

Ungelesener Beitragvon samsa » 4. Sep 2016, 14:53

"Weil sie rechtspopulistisch ist"

Ja, und es stimmt insoweit, als sie die politikwissenschaftlichen Kriterien des Rechtspopulismus erfüllt. Daher ist die Frage, ob der Fehler nicht schon bei der Politikwissenschaft beginnt. "Populistisch" ist m.E. ein normativer (wertender) Begriff, und die Wissenschaft geht grundsätzlich eher deskriptiv (beschreibend) vor. Die Frage ist

1. Ob es identifizierbare Muster des politischen Stils gibt, die eine eigene begriffliche Zusammenführung erlauben (so wie z.B. "sozialistisch")
2. Ob "populistisch" hierfür ein geeigneter Begriff ist
3. Ob diese Muster auf die AfD zutreffen

1 und 3 würde ich tendenziell bejahen, wobei gesagt werden muss, dass eine Partei nicht auf ihr Parteiprogramm reduziert werden kann. Alle bei Wiki unter Rechtspopulismus aufgeführten Kriterien treffen mehr oder weniger auf die AfD zu. Punkt 2 würde ich jedoch verneinen, weil ich den Begriff "populistisch" für irreführend und zu stark konnotierend halte, als dass er den Ansprüchen an wissenschaftliche Präzision genügen könnte. Da mit den Begriffen Rechtskonservatismus oder Nationalkonservatismus neutralere Begriffe mit großen inhaltlichen Überschneidungen existieren, bin ich der Meinung, dass "Rechtspopulismus" ein politisches Schlagwort ist, das ganz gezielt in den wissenschaftlichen Diskurs eingebracht wurde, um bestimmte Parteien zu diskreditieren. Vergleichbar ist das mit Begriffen wie "Misogynie" und "Rassismus", wobei das ein eigenes Thema wäre.
Zuletzt geändert von samsa am 4. Sep 2016, 15:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Rechtspopulismus

Ungelesener Beitragvon Joe12 » 4. Sep 2016, 14:58

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Re: Rechtspopulismus

Ungelesener Beitragvon Schreiberling » 4. Sep 2016, 16:03

Lillith hat geschrieben:
Sie ist populistisch, weil sie das sagt, was bei den Leuten ankommt, sagst du.

Sind denn die anderen Parteien im Sinne der Definition für "populistisch" dann nicht auch eben dieses ?

Sagen die etablierten Parteien nicht auch was bei den Leuten ankommt ? Immerhin werden sie von einem Großteil der Bevölkerung gewählt, also müssen sie ja etwas sagen, was bei den Leuten ankommt, verstehst du was ich meine ?

Und wie gesagt, die SPD galt auch lange, lange als Partei des kleinen Mannes.
Sie sagte also was bei den Leuten ankam und gab sich vor allem der Arbeiterschaft nah.
Was machte sie im Vergleich zur AFD NICHT populistisch oder zumindest nicht SO populistisch, dass man sie als solches betrachtete ?
Ist es ihre Linksorientierung ? Weil politisch "links" ideologisch ist und Populismus im politischen Sinn der Definition nach keine Ideologie verfolgt ?

Verfolgt die AFD KEINE Ideologie ? Was genau ist dann ihre Ausrichtung ? Ist politisch "rechts" keiner Ideologie unterlegen ?


WAS genau betrachtest du als "unausgegoren" und "nicht widerspruchsfrei" ?

UND: trifft dies deiner Ansicht nach auch auf die anderen Parteien zu ?


Ja, die meisten Parteien sind populistisch, die bedeutenden wohl alle.

Mit nicht widerspruchsfrei meine ich, daß die AfD so etwas herausposaunt, wie daß der Islam nicht zu Deutschland gehört, aber natürlich die "Muslime" (Mohammedaner leben natürlich den Islam), oder daß sie für die "offene Gesellschaft" sei, die ja nach ihrem Schöpfer das sukkzessive Ende des Nationalstaats bedeuten soll, was die AfD nun nicht will.

Unausgegoren sind zum Teil die Vorschläge zur Steuerpolitik oder hinsichtlich Aufnahmezentren. Die AfD versucht mit so einer Art Gemischtwarenladen möglichst große Bevölkerungsteile zu gewinnen, bloß würde dieser Gemschtwarenladen mit diesem Sortiment Konkurs anmelden. Die angedachten Entlastungen sind nicht mehr gegenfinanziert, seit die AfD auf volkstümlich macht. Ansonsten rudert sie ständig zurück, wenn irgendetwas Notwendiges dem politisch korrekt erzogenen Michel sauer aufstoßen könnte.
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Re: Rechtspopulismus

Ungelesener Beitragvon samsa » 4. Sep 2016, 16:41

Mit nicht widerspruchsfrei meine ich, daß die AfD so etwas herausposaunt, wie daß der Islam nicht zu Deutschland gehört, aber natürlich die "Muslime" (Mohammedaner leben natürlich den Islam), oder daß sie für die "offene Gesellschaft" sei, die ja nach ihrem Schöpfer das sukkzessive Ende des Nationalstaats bedeuten soll, was die AfD nun nicht will.

Das ist doch nur möglich, weil diese Schlagworte und Phrasen frei interpretierbar sind. Was bedeutet "der Islam gehört (nicht) zu Deutschland"? Ist das eine Zustandsbeschreibung? Eine Beschreibung der historisch gewachsenen Identität Deutschlands? Eine Forderung? Ein Ausdruck des Wohlwollens bzw. der Ablehnung? Ebenso "offene Gesellschaft": Poppers Verständnis des Begriffs hat nichts mit offenen Grenzen und kulturellem Laissez-Faire zu tun, sondern mit der Freiheit der Institutionen und des Bürgers in Abgrenzung zum (auch demokratisch gewählten) Gewaltherrscher. Daran ist nichts verkehrt.
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