Wie groß ist eigentlich der "rechte Rand"?

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Wie groß ist eigentlich der "rechte Rand"?

Ungelesener Beitragvon Schreiberling » 9. Jul 2016, 11:15

Wenn ich solche

http://www.stern.de/politik/deutschland ... 41960.html

Artikel lese, wonach von Storch, Höcke, Gauland etc. mit markigen Sprüchen "provozieren" und damit letztendlich natürlich Stimmen absahnen wollen, dann muß ja das, was die Mainstreampresse "rechter Rand" nennt, in Wahrheit ziemlich groß sein und vor allem müßte dieser rechte Rand mehr Potential bieten als der Teil vergraulter CDU-Wähler, der davon abgeschreckt wird und dann doch wieder CDU oder FDP oder gar nicht wählt. Derzeit scheint mir das nicht plausibel, denn dann hätten wir in Deutschland andere Verhältnisse. Sicher, die Lager können sich deutlich verschieben, gerade wenn die aktuelle Politik so weitergeht.

Für mich gibt es daher eigentlich nur zwei vernünftige Erklärungen (auch in Kombination):

a) Die haben ihren Grimm einfach nicht im Griff.
b) Man will durch "Denkanstöße" (natürlich in Form von noch legalen Tabubrüchen) latent Nationalliberale/Nationalkonservative, die in unserer Political-Correctness-Gesellschaft sich auf den politisch korrekten Kurs haben bringen lassen, in eine andere Richtung lenken.

Im übrigen scheint man meines Erachtens in der AfD gemerkt zu haben, daß der kleine Mann eine recht erträglliche Zielgruppe ist, denn ein größerer Teil von deren Propaganda scheint mir doch in letzer Zeit so auf nationalliberales/nationalkonservatvs Bildzeitungsniveau herabgerutscht zu sein.

Wobei es vielleicht auch schwierig ist, so manches akademikergerecht (also als schlüssiges Konzept) auszudrücken, ohne dann letzlich eben auch Absenkungen gewisser Grundrechte, rechtsstaatlicher Prinzipien und ähnliche Forderungen aufstellen zu müssen und eventuell auf Ideen zurückgreifen zu müssen, die möglicherweise dann Beobachtung durch den Verfassungsschutz nach sich ziehen würden. (Wobei für Beobachtung durch den Verfassungsschutz sicher keine extremistischen Haltungen nötig sind, mit einer Partei etwa zur Wiedereinführung der konstitutionellen/parlamentarischen Monarchie wäre man schon mittendrin in der Verfassungsfeindlichkeit.)
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Re: Wie groß ist eigentlich der "rechte Rand"?

Ungelesener Beitragvon Knuddelbär-balu » 9. Jul 2016, 12:41

Diesen "rechten Rand" gab es schon immer - und in (fast) allen Parteien.

Wenn man bei einem Wählerpotential von 20 bis 25 % überhaupt von einem Rand sprechen kann.
Und es gibt auch einen linken "Rand", die zwar in ihrer ideologischen Herkunft absolut entgegengesetzt sind, sich aber in Mitteln und Forderungen kaum von den "Rechten" unterscheiden.

Die national konservativen Kräfte der alten Bundesrepublik wurden in den 50er und 60er Jahren, aber auch bis hinein in die 80er durch CDU/CSU, zu Beginn auch von der FDP abgedeckt. Und ich will da gar nicht von den Alt-Nazis reden, die in vielen damaligen Parteien, im Westen wie im Osten, untergekommen sind.
Ich erinnere an prominente Politiker, wie F.J. Strauß, Dr. Filbinger, u.v.a. die Sprüche und Forderungen heraus hauten, die "dem Volk auf's Maul schauten", die sich hinter der heutigen AfD nicht zu verstecken brauchen.

Gerade wir Älteren, die so viele Jahre für Aufklärung, Gleichberechtigung, Toleranz und Demokratie kämpften und kämpfen, haben vergessen, an wen oder was wir uns in jungen Jahren rieben und entzündeten.
Diese - unsere damaligen "Gegner" sind heute überwunden und Geschichte, und von einer Frau Merkel - oder von einem Herrn Seehofer geht alles andere als eine solche Gefahr aus.

Da wir aber in Deutschland - wie in fast allen europäischen Ländern - dieses extreme Wählerpotential von 20 bis 25 % haben, ist nun die AfD deren Sprachrohr.

Wir sollten das zur Kenntnis nehmen und nicht verharmlosen oder übersehen, sollten aber den einen oder anderen Auswuchs, um mit Jan Böhmermann zu sprechen, auch einfach mal mit Missachtung strafen und ignorieren.
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Re: Wie groß ist eigentlich der "rechte Rand"?

Ungelesener Beitragvon Schreiberling » 9. Jul 2016, 18:37

Ja eben, 20-25% (oder wie viele es sein mögen) sind meines Erachtens kein Rand, da würde man doch eher an das äußerste Prozent oder dergleichen denken, wo sich wirklich kompromißlose Radikale, heutzutage Extremisten genannt, tummeln. "Rand" erscheint mir hier als abwertende (im Jargon der Germanisten und Soziologen heißt das wohl "pejorative" wie ich gerade noch mal nachgesehen habe) Begrifflichkeit, die bewußt gebraucht wird, um das Anliegen dieses Teils der Bevölkerung zu diskreditieren, insbesondere wenn man bedenkt, daß seit einigen Jahren alles von FDP über CDU bis SPD und Grünen in unserer Politik in der "Mitte" sein will.

Ich erinnere mich nämlich durchaus auch noch an solche bundesdeutschen Politiker und daß solche Meinungen mal als mehr oder weniger normal galten. Für gefährlich halte ich die auch nicht, aber ich will da jetzt keinen weltanschaulichen Streit draus machen. Mir ging es nur darum, daß das eine sehr merkwürdige Argumentation ist, jemand fische "am rechten Rand", denn da ist ja im Grunde nichts zu holen, wenn man auf wirkliche randständige Meinungen abstellt, die sich völlig außerhalb jedes Konsens befinden und folglich auch nur von einer verschwindenden Minderheit vetreten werden.

Damit fragt sich, ob es womöglich noch etwas jenseits dieser Ränder gibt oder ob diese Ränder vielleicht von diesen Journalisten oder der Rechtsordnung bestimmt werden und nicht von den objektiv denkbaren Rändern des politischen Spektrums. Rand als alles, was eben noch verfassungsgemäß bzw. für einen Durchschnittsjournalisten vorstellbar ist? Quasi so eine Art Tellerrand des bundesdeutschen Mainstream (Establishment)?

Nun ja, über den Herrn Böhmermann mag man geteilter Meinung sein, ich halte den eher für einen (etwas selbstgefälligen) Wichtigtuer und Possenreißer als einen ernstzunehmenden (ich weiß, das ist ein Widerspruch in sich) Satiriker. Überhaupt, wer andere mit Mißachtung straft, läuft ja in gewisser Weise doch immer Gefahr, selbst mit Scheuklappen durch die Gegend zu laufen.
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