Urheberrechtschutz für Photos von alten Gemälden

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Urheberrechtschutz für Photos von alten Gemälden

Ungelesener Beitragvon Schreiberling » 27. Feb 2018, 11:50

Ich bin die Tage mal durch einen Fachartikel auf ein juristisches Problem gestoßen, desbezüglich aber in neuerer Zeit einige Urteile zugunsten der Photographen bzw. deren Auftraggebern gebracht hat. Insbesondere sind diese Urteile im Zusammenhang mit der Verwendung seitens Museen veröffentlichter Reproduktionen ihrer Gemälde ergangen, die etwa auf deren Homepages angeboten wurden oder auch zum Kauf für Besucher.

Bisher war die wohl auch vom BGH vertretene Ansicht, daß das Reproduzieren von dreidimensionaler Kunst wie Skulpturen einen urheberrechtlichen Schutz bergründet. Das ist ja im Grunde auch nachvollziehbar - wenn ein Photograph eine Statue ablichten möchte, so setzt er gezielt Brennweite, Licht und Schatten ein, wählt einen Betrachtungswinkel usw. Eine ähnliche Situation ergibt sich im Rahmen von Photographierverboten, hier hat der Besucher nunmal zumindest konkludent zugestimmt, das Hausrecht zu achten bzw. das Veröffentlichen seiner in den Räumlichkeietn gemachten Aufnahmen zu unterlassen, was als Vereinbarung zwischen beiden Parteien mit nicht ganz schlechten Argumenten als zulässig anzusehen ist. (Inwieweit hier bei öffentlich finanzierten Einrichtungen andere Gesichtspunkte und auch bei privaten Eigentümern etwa die Sozialbindung des Eigentums zu berücksichtigen wären, sei dahingestellt, aber es ist zumindest für Private anerkannt, daß sie künstlerich wertvolle historische Gegenstände in ihrem Eigentum nicht prinzipiell der Öffentlichkeit zugänglich zu machen brauchen.)

Nun haben aber wohl in den letzten Jahren einige Gerichte diesen Schutz auch Photographen zuerkannt, die Reproduktionen von urheberrechtlich nicht mehr geschützten flächigen Gemälden gezeitigt haben, etwa bzw. in der Regel im Auftrage von Museen. Die Begründung ist in etwa diejenige, daß darin, daß die Bilder schattenfrei ausgeleuchtet und sorgfälig reproduziert wurden, mehr oder weniger ein geistiger Gestaltungsakt liege, der zumindest ein einfaches Lichtbild schaffe, das für 50 Jahre (Lichtbildwerke 70 Jahre nach dem Tod) geschützt ist. Ich persönlich kann das schwer nachvollziehen, es handelt sich nämlich um eine nach objektiven Gesichtspunkten vorzunehmende Handlung - im Idealfall würde eine Reproduktion der anderen gleichen und die Bilder perfekt abbilden, was natürlich durch die eingesetzte Technik begrenzt wird. Eine bewußte künstlerische Verfremdung oder Gestaltung findet nicht statt - sollte dies ausnahmsweise doch der Fall sein, läge die Sache natürlich anders. Im Grunde nimmt der Photograph aber keine andere Stellung ein als ein Photokopierer oder Scanner.

Hier scheint mir somit vielmehr der Gedanke vorgeschoben, daß der Photograph ja Zeit und Geld für seine Ausrüstung und Ausbildung aufwendet, Kosten hat usw. und im übrigen natürlich eine Leistung erbringt, deren Marktwert durch das Ausschließlichkeit des "geistigen Eigentums" abgesichert werden soll. Das Urheberrecht sieht jedoch so etwas gar nicht vor, sondern maßgeblich ist eben die Schöpfungshöhe. Es ist jednfalls nicht die Aufgabe der Gerichte, für Gerechtigkeit über das Gesetz hinaus zu sorgen - sei es nun durch im Volke zwar beliebte aber rechtlich zunehmend absurdere Kunstgriffe, der gesetzgeberischen Tendenz, das Urheberrecht immer restriktiver und umfangreicher zu gestalten, entgegenzuwirken oder hier eben sogar noch darüber hinauszugehen.

Daß natürlich die Photographen und Museen oder auch private Eigentümer ein Interesse haben, daß ihre hochwertigen Reproduktionen nicht möglicherweise von Dritten zum Zwecke der Gewinnerzielung eingesetzt werden, bzw. überhaupt zur Beteiligung an den Kosten, ist durchaus einzusehen, wer arbeitet schon gerne, damit andere die Früchte einstreichen. Hier ist aber ein entsprechender Schutz im Gesetz dieser Interessen im Sinne eines allgemeinen Leistungsschutzrechtes eben nicht verankert.

Problematisch wird das alles aber andererseits auch dadurch, daß für einen Dritten ja überhaupt nicht zu erkennen ist, wer und wann eine Reproduktion gefertigt hat und dadurch natürlich eine erhebliche Rechtsunsicherheit entsteht - die eine Reproduktion des Dürers ist frei verwendbar, die andere, die sich kaum davon unterscheidet, aber nicht. Hier wäre meines Erachtens wenn denn überhaupt, der Gesetzgeber gefragt - nicht aber Gerichte berufen, für alles, was sie schützenswürdig halten, aber das objektiv die Bezeichnung einer geistigen Schöpfung nicht verdient, mit einem Urheberrechtsschutz zu versehen. Angesichts der hohen Gefahr, versehentlich geschütztes Material einzusetzen, müßte meines Erachtens die Allgemeinheit auch durch das Anbringen von entsprechenden Hinweisen geschützt werden. Ansonsten muß man fortan auch bei jeder Reproduktion eines alten Schinkens fürchten, daß noch jemand daran die Rechte besitzt. Ähnliche Problematiken ergebn sich im Bereich von digitalisierten Computerfonts bereits nicht mehr geschützter Schriftarten u.ä. Daß Anbieter an Computerfonts Rechte haben, soweit sie nicht besonders programmiert oder umfangreich bearbeitet sind, war bisher wohl nicht anerkannt - das Digitalisieren damit potentiell brotlose Kunst.

PS: Ich habe auf Paragraphen verzichtet, da das Problem in einem Forum wie diesem vermutlich eher rechtsphilosophisch oder praktisch auf Interesse stößt, oder rechtspolitisch "Muß sich jede Leistung lohnen?", "Dürfen Dritte einfach so von einer erbrachten Leistung Gebrauch machen?".
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Re: Urheberrechtschutz für Photos von alten Gemälden

Ungelesener Beitragvon Joe12 » 27. Feb 2018, 20:14

Hm es wird also wieder mal an einem völlig überalterten grenzwertigen (im sinne kulturellen nutzens) gesetz rumgebastelt. "seufz"
Solange es möglich ist sich zu bereichern oder sich in sonst einer Form besser zu machen als andere und solang der Mensch das Konkurrenzverhalten innerhalb seiner Art nicht ablegt, solange wird es Gier geben und solange es Gier gibt, solange wird es die heutigen krankhaften Auswüchse in Wirtschaft und Politik, sowie Krieg und Leid geben.

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Re: Urheberrechtschutz für Photos von alten Gemälden

Ungelesener Beitragvon Chefstratege » 27. Feb 2018, 21:17

Tatsächlich gibt es da noch einige interessante Details am Rande. Wo fängt zum Beispiel 3D an? Hat ein Maler einen halben Zentimeter Ölfarbe auf die Leinwand gepinselt und man sieht den Pinselduktus - ist das 3D? Oder muss es schon 1 cm sein? Na usw...
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Re: Urheberrechtschutz für Photos von alten Gemälden

Ungelesener Beitragvon Schreiberling » 27. Feb 2018, 23:04

So vertieft habe ich mich mit der Frage jetzt nicht beschäftigt, aber das muß ggf. im Einzelfall entschieden und begründet werden. Ein Relieff wird wohl nicht mehr als flächig anzusehen sein, ein Bild mit Papierstruktur und unterschiedlich dickem Farbauftrag in der Regel schon. Allerdings will jetzt die Rechtsprechung ja teilweise daran sowieso nicht mehr festhalten.

Hm es wird also wieder mal an einem völlig überalterten grenzwertigen (im sinne kulturellen nutzens) gesetz rumgebastelt. "seufz"


Bisher wäre mir keine Gesetzesinitiative bekannt. Es ist hier offenbar eine Wandlung in der Rechtsprechung eingetreten. Bisher war die herrschende Auffassung, daß Reproduktionen gemeinfreier zweidimensionaler Werke keinem urherberrechtlichem Schutz unterfallen. Ein Photograph, der diese angefertigt hat, konnte daran also keine Rechte geltend machen. Da gibt es aber wohl nun einen Wandel in der Rechtsprechung. Das Warum dieses Anschauungswandels kann ich gar nicht beantworten. Vermutlich am ehesten das subjektive Gefühl der Richter, daß das "unfair" sei, daß einer die Arbeit bzw. die Kosten hat und andere sich diese Reproduktionen über digitale Verbreitungskanäle unbegrenzt "aneignen". Im Grunde ist das bürgerliche Recht ja auch durch den Gedanken des Eigentums bestimmt, daß an so einer Reproduktion hinsichtlich der weiteren Verfielfältigung überhaupt keine Rechte bestehen sollen, wirkt da wie ein systemwidriger "kommunistischer" Fremdkörper in der Rechtsordnung.
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