Begriff "Postheroische Gesellschaft"

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Begriff "Postheroische Gesellschaft"

Ungelesener Beitragvon Heinzz » 23. Okt 2017, 14:18

Hallo

Einmal habe ich den Begriff "Postheroische Gesellschaft" im TV gehört.
Was das sei wurde erklärt, wir würden uns an eine heroische Gesellschaft erinnern, mit Kriegen die hohe Verluste forderten, wobei wir Heute nicht mehr bereit wären junge Leute zu opfern, weil wir sie nicht entbehren können (Demographie);
dazu wären wir religiös erkaltet (Opfer seien eine religiöse Kategorie).

Sind wir jetzt weniger heroisch aus egoistischen Gründen, weil wir schlauer sind wie Früher, oder weil wir Weicheier sind?
Was hätten unsere Vorfahren, etwa die aus der Kaiserzeit über uns gedacht, hätten sie uns gekannt?
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Re: Begriff "Postheroische Gesellschaft"

Ungelesener Beitragvon Chefstratege » 23. Okt 2017, 19:12

Ich weiß nicht...bei der Kaiserzeit kann ich nicht mitreden. Aber ich kenne/kannte genügend Leute, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt (und teilweise noch mitgekämpft) haben. Von denen empfand sich keiner als Held. Zumindest stellt es heute keiner so dar. Die haben alle mit Wasser gekocht und genügend hatten jeden Tag schlichtweg Angst um ihr Leben.

Wobei es die "Helden" mit Sicherheit auch gab, entsprechend gefärbte Zeitzeugenberichte gibt es ja tonnenweise. Häufig sind die aber auch erst in den Jahren nach dem Krieg mit dem Erstarken der positiven Erinnerungen geschrieben worden.
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Re: Begriff "Postheroische Gesellschaft"

Ungelesener Beitragvon samsa » 23. Okt 2017, 22:11

Die "postheorische Gesellschaft" ist eine Begriffsbildung des Historikers Herfried Münkler. Er meint damit eine Gesellschaft, die sich durch die Überwindung des Heroischen definiert, wobei das Heroische als symbolische Aufladung des Opfertums verstanden wird: Das Opfer wird ideologisch überhöht und gesellschaftlich verklärt und damit überhaupt erst zum Selbstzweck. Heroische Gesellschaften ziehen aus diesem Opfer-Narrativ ihre Identität (und damit die Abgrenzung zu anderen Gemeinschaften), aber diesem Narrativ muss kein "reales" Heldentum zugrunde liegen. Es reicht sogar eine literarische Fiktion (Achilleus z.B.). Daher ist es auch sekundär, wie der vermeintliche "Held" sein eigenes Tun erlebt hat. Es geht vielmehr um die diskursive Umwandlung von der Tat in den Mythos.

Soweit ich mich erinnere, hatte Münkler dieses Begriffspaar heroisch-postheroisch irgendwann zur Zeit des Irakkriegs in seinen Büchern gestreut. Ich würde daran kritisieren, dass der Heldenmythos zu sehr auf das Opfertum reduziert wird. Das ist der offensichtliche Versuch, das Phänomen der islamistischen Selbstmordattentäter diskursiv zu fassen und mit der europäischen Kriegsgeschichte zu verbinden.
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