Wie groß ist eigentlich der "rechte Rand"?

Hier dreht sich alles um das politische Weltgeschehen.

FollowersFollowers: 1
BookmarksBookmarks: 0
Views: 397

Wie groß ist eigentlich der "rechte Rand"?

Unread postby Schreiberling » 9. Jul 2016, 11:15

Wenn ich solche

http://www.stern.de/politik/deutschland ... 41960.html

Artikel lese, wonach von Storch, Höcke, Gauland etc. mit markigen Sprüchen "provozieren" und damit letztendlich natürlich Stimmen absahnen wollen, dann muß ja das, was die Mainstreampresse "rechter Rand" nennt, in Wahrheit ziemlich groß sein und vor allem müßte dieser rechte Rand mehr Potential bieten als der Teil vergraulter CDU-Wähler, der davon abgeschreckt wird und dann doch wieder CDU oder FDP oder gar nicht wählt. Derzeit scheint mir das nicht plausibel, denn dann hätten wir in Deutschland andere Verhältnisse. Sicher, die Lager können sich deutlich verschieben, gerade wenn die aktuelle Politik so weitergeht.

Für mich gibt es daher eigentlich nur zwei vernünftige Erklärungen (auch in Kombination):

a) Die haben ihren Grimm einfach nicht im Griff.
b) Man will durch "Denkanstöße" (natürlich in Form von noch legalen Tabubrüchen) latent Nationalliberale/Nationalkonservative, die in unserer Political-Correctness-Gesellschaft sich auf den politisch korrekten Kurs haben bringen lassen, in eine andere Richtung lenken.

Im übrigen scheint man meines Erachtens in der AfD gemerkt zu haben, daß der kleine Mann eine recht erträglliche Zielgruppe ist, denn ein größerer Teil von deren Propaganda scheint mir doch in letzer Zeit so auf nationalliberales/nationalkonservatvs Bildzeitungsniveau herabgerutscht zu sein.

Wobei es vielleicht auch schwierig ist, so manches akademikergerecht (also als schlüssiges Konzept) auszudrücken, ohne dann letzlich eben auch Absenkungen gewisser Grundrechte, rechtsstaatlicher Prinzipien und ähnliche Forderungen aufstellen zu müssen und eventuell auf Ideen zurückgreifen zu müssen, die möglicherweise dann Beobachtung durch den Verfassungsschutz nach sich ziehen würden. (Wobei für Beobachtung durch den Verfassungsschutz sicher keine extremistischen Haltungen nötig sind, mit einer Partei etwa zur Wiedereinführung der konstitutionellen/parlamentarischen Monarchie wäre man schon mittendrin in der Verfassungsfeindlichkeit.)
Image

Avatarbild: Gaby Stein ("steinchen"), Pixabay, frei verwendbar.
User avatar
Schreiberling
König
König
 
Posts: 1427
Joined: 03.2015
Thanks: 64
Thanked: 128 times in 113 posts
Gender: Male
Wie hast du uns gefunden?: Suchmaschiene

Re: Wie groß ist eigentlich der "rechte Rand"?

Unread postby Knuddelbär-balu » 9. Jul 2016, 12:41

Diesen "rechten Rand" gab es schon immer - und in (fast) allen Parteien.

Wenn man bei einem Wählerpotential von 20 bis 25 % überhaupt von einem Rand sprechen kann.
Und es gibt auch einen linken "Rand", die zwar in ihrer ideologischen Herkunft absolut entgegengesetzt sind, sich aber in Mitteln und Forderungen kaum von den "Rechten" unterscheiden.

Die national konservativen Kräfte der alten Bundesrepublik wurden in den 50er und 60er Jahren, aber auch bis hinein in die 80er durch CDU/CSU, zu Beginn auch von der FDP abgedeckt. Und ich will da gar nicht von den Alt-Nazis reden, die in vielen damaligen Parteien, im Westen wie im Osten, untergekommen sind.
Ich erinnere an prominente Politiker, wie F.J. Strauß, Dr. Filbinger, u.v.a. die Sprüche und Forderungen heraus hauten, die "dem Volk auf's Maul schauten", die sich hinter der heutigen AfD nicht zu verstecken brauchen.

Gerade wir Älteren, die so viele Jahre für Aufklärung, Gleichberechtigung, Toleranz und Demokratie kämpften und kämpfen, haben vergessen, an wen oder was wir uns in jungen Jahren rieben und entzündeten.
Diese - unsere damaligen "Gegner" sind heute überwunden und Geschichte, und von einer Frau Merkel - oder von einem Herrn Seehofer geht alles andere als eine solche Gefahr aus.

Da wir aber in Deutschland - wie in fast allen europäischen Ländern - dieses extreme Wählerpotential von 20 bis 25 % haben, ist nun die AfD deren Sprachrohr.

Wir sollten das zur Kenntnis nehmen und nicht verharmlosen oder übersehen, sollten aber den einen oder anderen Auswuchs, um mit Jan Böhmermann zu sprechen, auch einfach mal mit Missachtung strafen und ignorieren.
Image

„Ist das Kunst – oder kann das weg ?“
User avatar
Knuddelbär-balu
Premium Account
Premium Account
 
Posts: 4779
Joined: 08.2009
Location: Hamburg
Thanks: 128
Thanked: 343 times in 274 posts
Highscores: 426
Gender: Male
Wie hast du uns gefunden?: Über andere Foren

Re: Wie groß ist eigentlich der "rechte Rand"?

Unread postby Schreiberling » 9. Jul 2016, 18:37

Ja eben, 20-25% (oder wie viele es sein mögen) sind meines Erachtens kein Rand, da würde man doch eher an das äußerste Prozent oder dergleichen denken, wo sich wirklich kompromißlose Radikale, heutzutage Extremisten genannt, tummeln. "Rand" erscheint mir hier als abwertende (im Jargon der Germanisten und Soziologen heißt das wohl "pejorative" wie ich gerade noch mal nachgesehen habe) Begrifflichkeit, die bewußt gebraucht wird, um das Anliegen dieses Teils der Bevölkerung zu diskreditieren, insbesondere wenn man bedenkt, daß seit einigen Jahren alles von FDP über CDU bis SPD und Grünen in unserer Politik in der "Mitte" sein will.

Ich erinnere mich nämlich durchaus auch noch an solche bundesdeutschen Politiker und daß solche Meinungen mal als mehr oder weniger normal galten. Für gefährlich halte ich die auch nicht, aber ich will da jetzt keinen weltanschaulichen Streit draus machen. Mir ging es nur darum, daß das eine sehr merkwürdige Argumentation ist, jemand fische "am rechten Rand", denn da ist ja im Grunde nichts zu holen, wenn man auf wirkliche randständige Meinungen abstellt, die sich völlig außerhalb jedes Konsens befinden und folglich auch nur von einer verschwindenden Minderheit vetreten werden.

Damit fragt sich, ob es womöglich noch etwas jenseits dieser Ränder gibt oder ob diese Ränder vielleicht von diesen Journalisten oder der Rechtsordnung bestimmt werden und nicht von den objektiv denkbaren Rändern des politischen Spektrums. Rand als alles, was eben noch verfassungsgemäß bzw. für einen Durchschnittsjournalisten vorstellbar ist? Quasi so eine Art Tellerrand des bundesdeutschen Mainstream (Establishment)?

Nun ja, über den Herrn Böhmermann mag man geteilter Meinung sein, ich halte den eher für einen (etwas selbstgefälligen) Wichtigtuer und Possenreißer als einen ernstzunehmenden (ich weiß, das ist ein Widerspruch in sich) Satiriker. Überhaupt, wer andere mit Mißachtung straft, läuft ja in gewisser Weise doch immer Gefahr, selbst mit Scheuklappen durch die Gegend zu laufen.
Image

Avatarbild: Gaby Stein ("steinchen"), Pixabay, frei verwendbar.
User avatar
Schreiberling
König
König
 
Posts: 1427
Joined: 03.2015
Thanks: 64
Thanked: 128 times in 113 posts
Gender: Male
Wie hast du uns gefunden?: Suchmaschiene

Re: Wie groß ist eigentlich der "rechte Rand"?

Unread postby Heinzz » 30. Oct 2019, 18:33

Nachdem Gauland, Höcke in der Mitte der AfD sieht, könnte man sich doch fragen wie dann der rechte Rand der AfD aussieht.
User avatar
Heinzz
Grünschnabel
Grünschnabel||
 
Posts: 375
Joined: 12.2016
Thanks: 13
Thanked: 14 times in 14 posts
Gender: Male
Wie hast du uns gefunden?: Über andere Foren

Re: Wie groß ist eigentlich der "rechte Rand"?

Unread postby Joe12 » 30. Oct 2019, 23:20

@Balu:

Ich bin kein fan der afd, denke zu denen aber folgendes:
Das gebashe der anderen Parteien und Medien wie auch das ignorieren der AFD (hat man übrigens bei der landtagswahl schön gesehen) hat ja erst dazu geführt das sie so aufsteigen konnte wie sie es tat.
War also n fehler, offensichtlich.
___
Weiterhin bin ich der meinung, das sämtliche andere (ex-)großparteien doch bitte erstmal vor der eigenen türe kehren sollten, bevor ihre mitglieder irgendwelche aussagen machen.
Sie wollen alle in der mitte sein, wie schreiberling feststellte, es gibt aber keine mitte mehr. Die Parteien machen alle rechte politik, allen vorran die cdu und versagen bzw auch blockieren sich gegenseitig im ganz großen stiel, was dieses Jahr stark aufgefallen ist, man verprellt hart die jugend und junge erwachsene, siehe Art. 13, Fridays for future und die erneute (und vor dummheit und einfälltiger arroganz ermüdende) killerspieledebatte vom csu-überwachungs-horst bei der mal ebend 34 mio und mehr bundesbürger wegen eines einzelfalles über einen kamm geschert wurden. Zur gleichen zeit werden sozialrelevante dinge immer weiter zurück gestellt und man spricht und debattiert lieber wochen lang über dinge die es so nicht nötig hätten weil sie selbst verständlich sind. Lieber verschiebt man eine Debatte über eine angemessene Rente im alter welche die Altersarmut reduzieren soll und debattiert stattdessen jahrelang drüber ob homosexuelle Heiraten und kinder adoptieren dürfen sollen, gute güte, das sind auch normale menschen, sollen sie das doch machen dürfen, sowas ist menschlich und sollte selbstverständlich sein, aber sowas kann man halt nutzen um alle schön von z.b. rentendebatten abzulenken wie auch vom sozialabbau im allgemeinen, und weil es zuviel wird und die cdu in dieser angelegenheit nur am failen ist wie die anderen großparteien wandern die wähler ab zur afd wen wunderts gibt ja sonst keine alternativen außer linke und afd zumal die anderen großen parteien ja auch ganz fest versprochen haben das wir noch mehr zahlen sollen und noch mehr und immer noch mehr. Schon blöd wenn man dann noch bildungs und gesundheitswesen vor die hunde gehen lässt und lieber mit den anderen großen ohne mandat krieg spielt und in anderen ländern waffen vom laster fallen läst fürn obulus.
Da ist sowas wie die afd wirklich kein wunder, ich versteh viel ehr nicht warum die mitglieder der anderen (ex-)großparteien dann wiederum so unglaublich dumm sind und das nicht begreifen. :Dckqt:
Solange es möglich ist sich zu bereichern oder sich in sonst einer Form besser zu machen als andere und solang der Mensch das Konkurrenzverhalten innerhalb seiner Art nicht ablegt, solange wird es Gier geben und solange es Gier gibt, solange wird es die heutigen krankhaften Auswüchse in Wirtschaft und Politik, sowie Krieg und Leid geben.

Wenn das Leben ein Geschenk ist, wüsste ich gern wo man es umtauschen kann.

Captain Obvious

Das Leben wäre doch langweilig, wenn alles direkt funktionieren würde, nicht wahr?

Nein wäre es nicht, mich würde es freuen!

Für Inkompetenz haben wir Zeit!

Infosammlung zu aktuellen Veränderungen im Netz: Save the Internet <Link (wird derzeit aktuell gehalten und ist nicht meinungsfrei) Siehe EU Urheberrechtsreform Artikel 13 & 11 und direkt oder indirekt damit im Zusammenhang stehende Inhalte.
User avatar
Joe12
Technischer Support
Technischer Support
 
Posts: 8678
Joined: 09.2014
Thanks: 551
Thanked: 648 times in 599 posts
Highscores: 2
Gender: None specified
Wie hast du uns gefunden?: Andere
stimmung: mäßig positiv

Re: Wie groß ist eigentlich der "rechte Rand"?

Unread postby Heinzz » 31. Oct 2019, 18:29

Joe12 wrote:@Balu:
Zur gleichen zeit werden sozialrelevante dinge immer weiter zurück gestellt .......

Sozialpolitische Forderungen sind meist links angesiedelt.
Ich glaube aber nicht das eine ungünstige oder fehlende Sozialpolitik besonders rechts sein muß.

Die FDP kommt mit Begriffen wie "Schlanker Staat", "Selbstverantwortung", was Sozialabbau bedeutet.
Das ist eben liberale Politik, Liberale wollen so wenig Staat wie möglich, gerne würde sich deren Klientel vom Sozialstaat verabnschieden.
(Wer einen Swimmingpool im Garten hat, ist gegen die Subventionierung von öffentlichen Bädern, etc.)
Trotzdem ist so was nicht besonders rechts angesiedelt.
Der liberale Gedanke ist nicht links, aber auch nicht rechts.

Wie ich Bundeskanzler Schröder im TV sagen hörte, die Leute sollen sich Aktien kaufen,
damit sie im Alter eine aureichende Rente haben, war ich schockiert das ein Sozialdemokrat so was sagt,
als besonders rechts habe ich aber diese wirtschafts-liberale der Schröder-Regierung auch nicht angesehen.
(Agenda-Politik, Casino-Kapitalismus)
User avatar
Heinzz
Grünschnabel
Grünschnabel||
 
Posts: 375
Joined: 12.2016
Thanks: 13
Thanked: 14 times in 14 posts
Gender: Male
Wie hast du uns gefunden?: Über andere Foren

Re: Wie groß ist eigentlich der "rechte Rand"?

Unread postby tuschy » 4. Nov 2019, 11:43

Schreiberling wrote:
b) Man will durch "Denkanstöße" (natürlich in Form von noch legalen Tabubrüchen) latent Nationalliberale/Nationalkonservative, die in unserer Political-Correctness-Gesellschaft sich auf den politisch korrekten Kurs haben bringen lassen, in eine andere Richtung lenken.


In der Politik geht es zu wie auf dem Basar.
Wenn du dort ein T-Shirt haben möchtest und fragst wie viel es kostet, wird dir mal ein Fantasiepreis genannt. Wenn du jetzt mit dem Preis in die Verhandlungen einsteigst, den du letztlich zahlen möchtest, zahlst du letztlich mehr als du eigentlich wolltest. Daher sollte man da unter seiner Vorstellung einsteigen. Dann trifft man sich in der Mitte und beide Seiten sind hoffentlich glücklich.
In dem Sinne wird in der Politik übertrieben und Extrempositionen werden da als vollkommen normal hingestellt. Nur damit man sich dann danach auf die Mitte einigen kann.
Was man fordert und was man wirklich will, sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe.
User avatar
tuschy
Mitglied
Mitglied
 
Posts: 149
Joined: 12.2014
Thanks: 0
Thanked: 2 times in 2 posts
Gender: None specified
Wie hast du uns gefunden?: Über andere Foren


Return to "Politik und Nachrichten"


 

Who is online

Users browsing this forum: No registered users and 1 guest