Politik und Romantik

Hier dreht sich alles um das politische Weltgeschehen.

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Politik und Romantik

Unread postby Heinzz » 1. Feb 2020, 15:48

Hallo

Öfters mal habe ich im TV von britischen Journalisten Aussagen gehört,
die Briten sehnen sich nach alten Zeiten (British Empire) zurück.
Sie wollen dieses Gefühl das man jemand ist, haben.

So gibt es auch in jeder Richtung Vorstellungen, die einer romantischen Verklärung unterliegen.
Der Anarchist stellt sich eine wunderbare Welt vor, in der die Bedürfnisse der Menschen ohne großen Aufwand gedeckt werden,
Ähnlich der Sozialromantiker (Sozialist) "Jeder bekommt das was er braucht".
Der Liberale träumt von einer Karriere und meint diese in einer Gesellschaft erreichen zu können,
in der man sich nur anstrengen muß, um dann die Früchte seiner Arbeit kassieren zu können.
Die Rechten (Nationalisten, Faschisten) glauben an eine Zukunft, in der sie als Person aufgewertet werden,
wenn anerkannt wird wie besonders sie sind.

Ist Romantik in der Politik mehr als eine Blase?

Der Anarchist wird schnell feststellen das das Leben nicht schöner wird, wenn am Verhältnisse ändert und dabei Regeln abschafft.
Der Sozialromantiker wird auch bald merken das nicht genug Geld da ist.
Der Liberale wird sehen das wirtschaftliche Freiheit zu allererst von finanzstarken Gruppen in Anspruch genommen wird.
Auch der Faschist wird sehen das er trotz Beweihreucherung seiner Gene kein schöneres Leben hat.

Sollten nicht dann, wenn man in sich eine romantische Verklärung spürt, die von politischen Kreisen erzeugt wird,
die Alarmglocken in einem los gehen?
Wie groß sind die Sprünge, die man gedanklich mitgehen kann?
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Re: Politik und Romantik

Unread postby Joe12 » 1. Feb 2020, 16:35

Kommt das nicht auf den einzelnen menschen an, wie weit er gedanklich mitgehen kann und kann er nicht auch nur in dem kontext selber feststellen ob er von politischen kreisen in der art beeinflusst wird, wie du es beschreibst, wenn es ihm sonst keiner sagen kann und kann er nicht erst dann auch darauf reagieren?
Solange es möglich ist sich zu bereichern oder sich in sonst einer Form besser zu machen als andere und solang der Mensch das Konkurrenzverhalten innerhalb seiner Art nicht ablegt, solange wird es Gier geben und solange es Gier gibt, solange wird es die heutigen krankhaften Auswüchse in Wirtschaft und Politik, sowie Krieg und Leid geben.

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Re: Politik und Romantik

Unread postby Lillith » 1. Feb 2020, 20:34

Diese Definitionen, die hier eingangs stattfinden, finde ich unzutreffend.


Ich würde es mal eher so beschreiben:

Der Anarchist stellt sich eine wunderbare Welt ohne Hierarchien vor. Dass man für sein Leben dann auch Aufwand betreiben muss, ist ihm klar, aber er träumt davon, dass dies in einem Kollektiv geschieht, in dem es keine Obrigkeiten in Form von Regierungen gibt.
Das Individuum ist abgeschafft zum Wohle eines einzigen weltumfassenden Gemeinwohls.
Einer für alle, alle für einen. Kein individuelles Machtstreben, keine Regierungen sondern Selbstverwaltung unter der Anleitung von Mentoren, aber alles ohne Zwang. Jede Entscheidung des Einzelnen dient dem Allgemeinwohl und wird besprochen.
Der Mensch ordnet sich dem Allgemeinwohl unter.

Es wird schnell klar, dass dies in der Tat ein Traum bleiben wird.

( Nicht zu verwechseln mit Anarchosydikalismus.)


Der Liberale träumt dagegen von individueller Freiheit ohne Zwang und Gewalt staatlicherseits.

Der Sozialist will den Kapitalismus überwinden. Da gibt es übrigens ziemlich viele Ausrichtungen: von revolutionär, radikal-gewaltsamen Kampfbewegungen (Anarchosydikalismus) bis sozial-gerechten Ideen.


"Rechte" = konservative Ideen möchten zunächst einmal bewahren. Konservatismus möchte etwas erhalten.
Gesellschaftliche Werte, Traditionen, Kontinuität.


So wie sich aus Konservatismus nationaler Faschismus bilden kann, kann sich auch aus den beiden Ideologien Anarchismus und Sozialismus ein Faschismus bilden.
Von daher ist es absolut unzutreffend den Begriff "Faschismus" ausschließlich mit "Rechts" in Verbindung zu bringen.
Wir haben zur Zeit ein erstarkendes Problem mit linken faschistuiden Radikalen, die sich aus dem linksradikalen Milieu herausbilden und gegen staatliche Institutionen randalieren.
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Re: Politik und Romantik

Unread postby Heinzz » 1. Feb 2020, 21:10

Es ist auch zu hinterfragen, wo diese romantischen Verklärungen her kommen.
Vor dem 1.Mai sehe ich jedes Jahr Plakate einer marxistischen/maoistischen Gruppierung in deren Text von Revolution die Rede ist.
Jetzt kann man an die November-Revolution 1918 zurückdenken (Matrosenaufstand, Arbeiter+Soldatenräte) und diese erfolgreiche Bewegung als Vorbild ansehen, aber der Deutsche des 21. Jahrhunderts hat doch mit so etwas nichts mehr zu tun.
Diese Leute Früher standen mit dem Rücken zur Wand, die hatten die Wahl, sich in einen ungewinnbaren Krieg verheizen zu lassen, oder Wiederstand zu leisten.

Ist eine Vorstellung einer Revolution in unserem Land wirklich eine ernsthafte Erwägung, oder ist das geistige Unterentwicklung?
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Re: Politik und Romantik

Unread postby Joe12 » 2. Feb 2020, 02:28

@Heinzz

Ne revolution? Halte ich definitiv für möglich und machbar, wenn die bedingungen und vorraussetzungen dafür gegeben sind (derzeit ehr nicht so).
Relevant hierbei ist, das ne kritische masse an menschen überschritten wird die unzufrieden sind.
Z.b. afd-wähler. (nein, das soll jetzt keine runtermache und nichts negatives sein)
Die sind mit den aktuellen bedingungen unzufrieden, die dafür verantwortlichen behaupten "afd is doof, wählt die nicht.", ändern aber an ihrem politischen verhalten nichts und wundern sich dann über das erstarken der afd.
Wird hier eine kritische masse überschritten gibt es folglich einen Politischen umsturz, meint, dann ist ebend plötzlich mal die afd dran und nicht mehr union und/oder spd.

Die frage ist jetzt heinzz, siehst du das als revolution an oder meinst du ehr eine bewegung aus der bevölkerung herraus, die am bundestag neue fahnen hisst und die stützen des alten systems zum teufel jagt?

Letzteres wäre dann wohl eine der "romantischen" darstellungen von denen du zuvor schriebst.
Wenn etwas in der art abliefe, würde es zuvor kräftiges blutvergießen geben, wenn nicht eine niederschlagung durch militärische intervention, wenn andere mittel vorher nicht helfen würden, und zuletzt mit einer bestrafung derer welche die köpfe dahinter waren, die dann im folgenden aber als terroristen und gefährder benannt würden.
Solange es möglich ist sich zu bereichern oder sich in sonst einer Form besser zu machen als andere und solang der Mensch das Konkurrenzverhalten innerhalb seiner Art nicht ablegt, solange wird es Gier geben und solange es Gier gibt, solange wird es die heutigen krankhaften Auswüchse in Wirtschaft und Politik, sowie Krieg und Leid geben.

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Re: Politik und Romantik

Unread postby Jacko » 2. Feb 2020, 08:39

Heinzz wrote:Hallo

Sie wollen dieses Gefühl das man jemand ist, haben.


Ach ja, die "gute, alte Zeit, in der doch alles besser war"...
Die Welt ist in den letzten 25 Jahren deutlich kleiner geworden. Dank Internet erfahren wir nicht mehr nur aus Deutschland die Probleme und die Erfolge, nein, im Wahrsten Sinnde des Wortes auch, wenn in China ein Sack Reis umgefallen ist. In der Tat entwickelte sich die Welt in Technik und Wirtschaft grenzüberschreitend. Das System ist das Interessante, das Individuum eher der Mitläufer nebenbei. Wer diesen Wandel nicht bewusst versteht und mitgeht, der kann durchaus das Gefühl erlangen, das er selber keine Bedeutung mehr hat. Im Kleinen jedoch hat nach wie vor jeder seine große Bedeutung! Nur, um das zu verstehen, brauchts vielleicht eine gewisse Gabe, die Sicht auf die Dinge anzupassen.

Heinzz wrote:So gibt es auch in jeder Richtung Vorstellungen, die einer romantischen Verklärung unterliegen.
Der Anarchist stellt sich eine wunderbare Welt vor, in der die Bedürfnisse der Menschen ohne großen Aufwand gedeckt werden,
Ähnlich der Sozialromantiker (Sozialist) "Jeder bekommt das was er braucht".
Der Liberale träumt von einer Karriere und meint diese in einer Gesellschaft erreichen zu können,
in der man sich nur anstrengen muß, um dann die Früchte seiner Arbeit kassieren zu können.
Die Rechten (Nationalisten, Faschisten) glauben an eine Zukunft, in der sie als Person aufgewertet werden,
wenn anerkannt wird wie besonders sie sind.

Ist Romantik in der Politik mehr als eine Blase?


Das spiegelt jetzt die gesammelte Strömung wieder. Mag sein, dass in dieses Strömungen solche Gedanken aufkommen. Hier möchte ich nicht näher darauf eingehen bzw. brauche ich nichts ergänzen.

Heinzz wrote:Sollten nicht dann, wenn man in sich eine romantische Verklärung spürt, die von politischen Kreisen erzeugt wird,
die Alarmglocken in einem los gehen?
Wie groß sind die Sprünge, die man gedanklich mitgehen kann?


Ein guter Ansatz! Doch das setzt jede Menge Selbskritik und Selbstverständnis voraus. Ein von klein auf auf Ehrgeiz getrimmtes Kind wird nur nach vorne wollen und kaum einen Blick auf Andere werfen, ist es doch auf Egoismus getrimmt. Muss ja auch so sein, sonst könnte es die Leistung nicht bringen.
Doch was wird aus den Menschen, die sozialgerecht leben wollen und sich um die anderen Menschen kümmert, die Hilfe brauchen? Eine Eigenschaft, die dem Menschen das Überleben in der langen Vergangenheit überhaupt erst ermöglichte! Diese Menschen werden aber in unserem Staat schlecht bezahlt und meist auch etwas belächelt.

Bestes Beispiel USA: Ein Obama, der durch seine familiäre Vergangenheit genau wusste, was es bedeutet, kein Geld zu haben, war in vielen Dingen bescheiden und wollte allen irgendwie eine Stufe weiterhelfen. Für mich überwiegend ein guter Präsident. Trump ein Arschloch wie es im Buche steht, egoistisch und borniert und dem laufen auch größere Mengen von Wähler nach. Warum? Weil er ihnen als Individuum Bedeutung und Macht zusagt.
Daran erkennen wir, es gibt beide Lager auf der Welt, und das ist auch gut so. Solange der Verstand die Menschen dazu im Gleichgewicht hält, wird es auch weiter gut gehen.

Meiner Meinung nach ist eine globale Einstellung zum Leben und zur Gemeinschaft zwangsweise nur möglich, wenn wir selber unser Licht etwas unter den Scheffel stellen und das Wohl der Mehrheit fördern. Großbritanien will eigentlich nur die Vorteile des Selbstständige haben und die Nachteile unter den Tisch kehren. Egoistisch eben. Das Lehrgeld, das sie zahlen müssen, werden sie noch erkennen... Nur dann wird es kein schnelles Rückkehren geben.
"Die Summe der Interligenz auf dem Planeten ist eine Konstante, aber die Bevölkerung wächst"
(Jean-Luc Picard)


Ich schlaf nicht gern auf weichen Daunen;
denn statt des Märchenwaldes Raunen
hör ich im Traume all die kleinen
gerupften Gänslein bitter weinen.
Sie kommen an mein Bett und stöhnen
und klappern frierend mit den Zähnen,
und dieses Klappern klingt so schaurig...
Wenn ich erwache, bin ich traurig.

Heinz Erhardt
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Re: Politik und Romantik

Unread postby Heinzz » 2. Feb 2020, 17:08

Joe12 wrote:Ne revolution? .......

Die frage ist jetzt heinzz, siehst du das als revolution an oder meinst du ehr eine bewegung aus der bevölkerung herraus, die am bundestag neue fahnen hisst und die stützen des alten systems zum teufel jagt?

Wir kennen ja diese Che Guevara Verehrung (Fahnen, T-Shirts).
Und es ist auch beachtlich. wenn jemand mit einer Jacht, an der kubanischen Küste anlegt und von dort aus eine Revolution startet.
Guevara war und ist ein Vorbild für Generationen.
Aber wie tauglich ist so was.
Er selbst konnte das nicht in Bolivien wiederholen.
So wird auch ein jeder, der solch ein Vorbild hat, schnell von der Wirklichkeit eingeholt.
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Re: Politik und Romantik

Unread postby Joe12 » 2. Feb 2020, 18:38

Jop, kennt man. Tauglich? Das ist abhängig von land, dessen zustand und dessen menschen und deren geselschaftlicher zustände wie auch anderer vorraussetzungen.
Die frage ist dann auch noch tauglich wofür?
Sowas in deutschland oder einem anderen industrieland? Ne, ich glaube ehr nicht.
In einem afrikanischen staat mit diktatorischer führung in dem die menschen sehr arm sind und unzufrieden mit den gesamten lebensbedingungen, wo auch die versorgungslage kritisch ist? Ausschließen kann man eine tauglichkeit hierbei nicht komplett.

Tauglich als vorbild?
Vorbild wofür?
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